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Kreis Wesel: Trockenheit macht Landwirtschaft zu schaffen

Sommerhitze im Kreis Wesel : Landwirtschaft ächzt unter Trockenheit

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat auf seinem Gefahrenindex Warnstufe 4 für den Kreis Wesel ausgegeben. Der ausbleibende Regen hat Folgen für die Landwirtschaft. Das Getreide ist notreif. Die Waldbrandgefahr ist enorm.

Für Alpens Revierförster Christopher Koch ist es ein Geruch seiner Kindheit: die ätherischen Öle des Kiefernharzes. Doch der verheißt in diesem Fall nichts Gutes. „Für mich ein untrügliches Zeichen, dass es viel zu trocken ist in der Natur“, sagt Koch, der seit dem Jahreswechsel für das Waldgebiet Leucht zuständig ist. Die Waldbrandgefahr sei derzeit extrem hoch. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat auf seinem Gefahrenindex Warnstufe 4 für den Kreis Wesel ausgegeben – die zweithöchste Stufe auf einer Skala bis 5. Erst Mittwochmorgen musste im Wald am Kamper Berg – unweit des Klosters – ein kleiner Brand gelöscht werden. „Weil das Feuer früh entdeckt wurde, ist die Sache glimpflich ausgegangen“, sagt Förster Koch und mahnt Waldbesucher zu höchster Vorsicht.

Nicht nur im Wald, sondern auch auf den staubtrockenen Äckern kann ein einziger Funke einen Flächenbrand auslösen. Das musste der Budberger Landwirt Viktor Paeßens erfahren. Sein rund 3000 Quadratmeter großes Feld an der Straße Mühlenkolk stand am Montag in Flammen.

Die trockene, heiße Witterung mache derzeit vielen Landwirten zu schaffen, weiß Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel. Allerdings nicht nur wegen der erhöhten Brandgefahr. Die Natur ist ihrer Zeit einfach zwei bis drei Wochen voraus. Dabei ist die Situation im Kreis Wesel aufgrund der lokal begrenzten Regenfälle in den zurückliegenden Wochen sehr unterschiedlich. „In Hamminkeln sind von Mitte April bis heute gerade mal zehn Milliliter Regen gefallen“, berichtet Neu. Dementsprechend herrsche extreme Trockenheit. Die Gerste sei vielfach abgeerntet, auch Triticale und Weizen seien aufgrund des Wassermangels notreif. „Natürlich wirkt sich die Hitze und der fehlende Regen auch auf die Qualität des Getreides aus“, sagt Wilhelm Neu.

Die andauernde Trockenperiode beschäftigt auch die Feuerwehr Xanten. „Insgesamt sieben Mal wurden wir von Donnerstag bis Dienstag aufgrund von Bodenfeuern alarmiert, drei Mal handelte es sich dabei um Heckenbrände “, informiert Markus Windhuis, Leiter der Xantener Feuerwehr. Der Grund: Nicht selten flämmen manche Bürger trotz Hitze und Trockenheit das Unkraut ab. Davon rät Windhuis momentan eindringlich ab, ebenso wie von Nutzfeuern, um beispielsweise Gartenabfälle zu verbrennen. „Das sollte man nur tun, wenn man einen einsatzbereiten Gartenschlauch oder Feuerlöscher bereitliegen hat“, betont  Windhuis. Schon eine kleine Windböe und ein Moment der Unachtsamkeit reichen aus, um ein Feuer zu entfachen, das schnell außer Kontrolle zu geraten droht.

Deshalb fordert der Wehrleiter nachdrücklich sorgsamen Umgang mit offenem Feuer. Das heißt: Keine Zigaretten unachtsam wegwerfen. Gleiches gelte für Glasflaschen, schon kleine Scherben wirken möglicherweise wie ein Brennglas. „Beim Grillen auf Wiesen ist ebenfalls höchste Vorsicht geboten“, so Windhuis. Funkenflug könne hier schlimme Folgen haben.

Im Wald habe offenes Feuer ohnehin nichts zu suchen, betont auch Revierförster Koch. Vom 1. März bis zum 31. Oktober gelte nach Landesforstgesetz absolutes Rauchverbot. Gab es früher noch Wachen auf dem Feuerwachturm in der Leucht, setzt man heute auf die Aufmerksamkeit der Waldbesucher: „Jeder hat mittlerweile ein Handy dabei. Wer irgendwo Rauch bemerkt, sollte direkt den Notruf 112 wählen“, sagt Förster Christopher Koch, der eindringlich an alle appelliert, die mit dem Auto zum Wald kommen, um Erholung im kühlen Schatten zu suchen: Die Pkw dürfen nur auf ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden.

Das ist in doppelter Hinsicht wichtig: Einerseits wird gewährleistet, dass im Notfall Rettungskräfte überall hingelangen, andererseits wird verhindert, dass sich durch das Abstellen der Fahrzeuge auf Wiesen und Randstreifen ein Feuer entzündet. „Auch ein erhitzter Auspuff kann Brandauslöser sein“, so Koch. Er rechnet damit, dass Beobachtungsflüge angeordnet werden, sollte die hochsommerliche Wetterphase weiter anhalten.