Klimaforscherin Hanna Wang-Helmreich spricht über Umweltschutz im Alltag

Interview Hanna Wang-Helmreich : Auch kleine Schritte helfen dem Klima

Die Klimaforscherin des Wuppertal Instituts referiert am Freitag in der Rheinberger Stadthalle.

97 Prozent der mit dem Klimawandel beschäftigten Wissenschaftler ist sich einig, dass die Erderwärmung menschengemacht ist, mit dem Beginn des industriellen Zeitalters ihren Anfang nahm und mit zunehmender Geschwindigkeit ansteigt. Was bleibt der Menschheit anderes übrig, als schnell und überlegt zu handeln? Die RP sprach mit Hanna Wang-Helmreich, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Wuppertal Institut und Fachfrau für Klimapolitik, vor ihrem Vortrag in der Stadthalle darüber, wie man dem Klimawandel im Alltag begegnen kann. Hanna Wang-Helmreich (37) ist weit gereist. Sie verfügt über Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Regionen in der Welt. Ihre Studiengebiete waren an verschiedenen Universitäten die moderne chinesische Sprache, Allgemeine Volkswirtschaftslehre, Iberische und Lateinamerikanische Geschichte, spanische Sprache und Literatur, Energiewirtschaftslehre, Wirtschafts- und Sozialgeografie sowie Soziologie und Statistik. Sie gehört seit 2008 dem Wuppertal Institut an, dort der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der internationalen Klimapolitik.

Frau Wang-Helmreich, was können ganz normale Menschen, zum Beispiel berufstätige Frauen und Männer, gegen den Klimawandel tun?

Laut Klimaforscherin Hanna Wang-Helmreich gibt es drei wichtige Maßnahmen, mit denen jeder die Umwelt schützen kann: seltener fliegen, Umstieg vom Auto aufs Fahrrad, weniger Fleisch essen. Foto: dpa/Federico Gambarini

Hanna Wang-Helmreich Erst einmal muss man zwischen Alltagsaktionen und der politischen Ebene unterscheiden. Im Alltag gibt es drei große Bereiche, die wichtig sind. Zum einen: weniger tierische Produkte essen, insbesondere von Rind, Schaf und Ziege. Man muss nicht gleich zu 100 Prozent Vegetarier oder Veganer werden, aber man kann sich annähern. Dann sollte man so oft es geht auf das Auto verzichten, mehr Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Und: dringend aufs Fliegen verzichten. Ein einziger Flug von Frankfurt nach New York produziert genauso viel CO2, als wenn man zwei Jahre lang täglich zwischen Köln und Düsseldorf pendelt.

Wer auf tierische Produkte wie Rindfleisch verzichtet, tut was fürs Klima. Foto: dpa/Oliver Berg

Was empfehlen Sie darüber
hinaus?

Mehr Fahrrad statt Auto fahren, empfiehlt die Klimaforscherin. Foto: dpa

Wang-Helmreich Was man oft nicht auf dem Schirm hat, ist die richtige Geldanlage. Es gibt Banken, die ihr Geld nur noch da anlegen, wo nicht in fossile Brennstoffe investiert wird. Das kann viel ausmachen.

Und die politische Ebene?

Wang-Helmreich Bei Wahlen – wir stehen ja kurz vor der Europawahl – kann jeder ein Zeichen setzen, wenn er sich vorher anschaut, welche Partei etwas fürs Klima tut. Aktionen wie die Fridays-for-future-Bewegung werden stärker wahrgenommen als viele wissenschaftliche Studien. Selbst die Bundeskanzlerin hat ja darauf reagiert.

In Rheinberg und im Kreis Wesel findet derzeit das Stadtradeln als Wettbewerb zum Einsparen von CO2 statt. Andere Maßnahmen sind Solarspaziergänge oder Aktionen, mit denen auf E-Mobilität aufmerksam gemacht wird. Bringen solche etwa von Kommunen initiierten Aktionen etwas?

Wang-Helmreich Auf jeden Fall, das sind wichtige Impulse. Weil dadurch Dialoge entstehen. Die gute Nachricht in der Diskussion um den Klimawandel ist, dass jedes kleine bisschen, jeder Schritt in die richtige Richtung einen Unterschied macht. Auch Kleinigkeiten: Wenn ich eine Pizza kaufe, nehme ich mir einen großen Teller mit, dann brauche ich keine umweltschädliche Verpackung mit Aluminium mitzunehmen. Es ist manchmal schwierig, etwas zu tun, aber jeder kann etwas tun.

Es gibt aber Dinge, die man nicht oder nur schwer beeinflussen kann.

Wang-Helmreich Das stimmt. Nehmen Sie nur die Sicherheit von Fahrradfahrern. Da müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Deshalb ist es wichtig, dass Stadtverwaltungen und die Politik die Hebel richtig ansetzen und etwa dafür sorgen, dass im Nahverkehr bessere Verbindungen geschaffen werden.

Macht es viel aus, wenn starke Persönlichkeiten beispielhaft vorangehen?

Wang-Helmreich Ja, ein Bürgermeister, der sich aufs Fahrrad schwingt, kann andere mitreißen.

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