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Rheinberg: Kleine Welten: Weltliteratur trifft auf niederrheinische Lyrik

Rheinberg : Kleine Welten: Weltliteratur trifft auf niederrheinische Lyrik

Am Samstag präsentierte der Bürgerhaus-Verein Budberg dem Publikum eine echte Premiere. "Kleine Welten treffen Weltliteratur", allein der Titel der Veranstaltung klang wie eine Herausforderung. Immerhin traten mit dem Niederrhein-Dichter Christian Behrens und Rezitator Jörg Zimmer zwei Bühnenprofis gemeinsam auf, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten.

Während Zimmer, der Germanistik und italienische Literatur studiert hat, sich den Texten der großen Literaten von Goethe bis Tucholsky widmet, wirft Behrens einen detaillierten Blick auf die kleinen Besonderheiten des Niederrheiner. "Wir haben uns vor vielen Jahren in der Moerser Bibliothek kennengelernt. Aber eigentlich habe ich ihn gar nicht erkannt, denn er steckte in einem Nikolaus-Kostüm", erklärte Behrens den Beginn der Partnerschaft. Bevor Jörg Zimmer mit punktgenauer Betonung und raumgreifenden Gesten Goethes Ballade "Der Fischer" (Halb zog sie ihn, halb sank er hin) vortrug, räumte er auf amüsante Weise mit einem gängigen Vorurteil über den Dichterfürsten auf: "Goethe wird heute gerne als Schürzenjäger beschrieben. Dabei hat er das, was er viele Jahre literarisch vorgedacht hat, erst viel später körperlich nachvollzogen." Es folgte eine tragische Liebesgeschichte von Christian Behrens. "Tragisch deshalb, weil es meine eigene ist", so Behrens, der von Valerie Pöller kongenial am Klavier begleitet wurde. Dass die Angebetete am Ende ertrinkt, klingt nach der vorhergehenden Erläuterung des Moerser Dichters fast schon folgerichtig: "Im Bettenkamper Meer haben fast alle Moerser schwimmen gelernt und manche nur tauchen."

Interessante Neuigkeiten wusste Jörg Zimmer über den englischen Dramatiker William Shakespeare zu berichten: "Die Themse war früher mal ein Nebenarm des Rheins. So gesehen war Shakespeare ein Niederrheiner." Weil er Shakespeares Sonnet 19 im englischen Original vortragen wollte, sah Zimmer sich genötigt, die rund 50 Besucher vorab über die Besonderheiten der englischen "Dichtersprache" aufzuklären: "Der Engländer sagt I`m going to see. Übersetzt heißt das: Ich bin gehend am sehen, das ist die sogenannte Verlaufsform." Wenn der Rezitator dann seine eigentliche Arbeit aufnimmt, wird es mucksmäuschenstill und jeder im Raum hängt an seinen Lippen. Mitunter lässt der Moerser die Worte fröhlich aus dem Herzen sprudeln, um im nächsten Augenblick ein dumpfes Donnergrollen hinterherzujagen oder den Text in einen liebevollen, sanften Rahmen zu legen. Dass die große Weltliteratur durchaus mit der kleinen Welt des Niederrheins in Einklang zu bringen ist, bewies Behrens mit der Zusammenstellung des Programms.

Das von Jörg Zimmer vorgetragene herrlich schwarzhumorige Kästner-Stück "Der Handstand auf der Loreley" erwiderte Behrens mit einer niederrheinischen Version des Loreley-Liedes und der Kernaussage: Reife Frauen duften süß nach Kuchen.

(erko)