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Alpen: Klare Grenzen sind gefragt

Alpen : Klare Grenzen sind gefragt

Das Theaterstück "Tatverdächtig" zum Thema Gewalt unter Jugendlichen war nur ein Baustein eines Gewaltpräventionsprojekts an der Alpener Hauptschule. Es gehörten auch praktische Übungen zum Angebot.

Gewaltprävention kann auch spannend wie innovativ sein. So geschehen an der Hauptschule in Alpen für gleich drei Jahrgangsstufen. Statt Unterricht gab es in der Turnhalle der Alpener Hauptschule das Theaterstück "Tatverdächtig", das aus jugendlicher Warte die verschiedenen Möglichkeiten von Gewalt zeigte. In der Schule, auf dem Schulhof und zu Hause.

Gewalt hat dabei viele Gesichter und reicht von der körperlichen bis zur wortgewaltigen Variante der Provokation, die wiederum zum Austragen von Gewalt führt. 50 Minuten lang saßen die Siebt-, Acht- und Neuntklässler in der Mitte der Turnhalle und erlebten starken Tobak, der wiederum ganz dicht an der Realität ist. Um sie herum agierten die sechs Theaterpädagogen des Steimel-Menschner-Projektes. "Wir halten den Spiegel vor", sagte Theaterpädagoge Olaf Herzog. "Der Wiedererkennungseffekt ist auf Schülerseite groß", meinte dazu Simon Steimel, der zusammen mit Tina Menschner mit diesem Projekt seit über zehn Jahren an Schulen unterwegs ist.

Aktualität ist immer gegeben

Gewalt an Schulen und in der Öffentlichkeit verliert nie an Aktualität, wie das Stück zeigt. "Die Reflexion mit den Klassen danach ist sehr wichtig. Wir haben gute Erfahrungen gemacht", meinte Steimel. Ronnie Wellnitz (30) spielte die Brutalo-Rolle eines halbstarken Schülers und schaffte dabei schnell den Sprung an die Spitze der Sympathie, gerade weil er alle Grenzen bewusst überschreitet und damit wie ein Magnet auf andere wirkt. "Ronnie war einfach cool", meinte Jule (14).

Antwort auf Kuschelpädagogik

Sozialpädagogin Sonja Potthoff, Initiatorin des umfangreichen Schulprojektes inklusive Schüler-, Lehrer- und Elterntraining, sieht enorm viel Potenzial und eine klare Antwort auf die Kuschelpädagogik vergangener Jahre. Klare Grenzen sind gefragt. "Gewalt und Mobbing haben Schülerinnen und Schüler in dem Alter alle schon mal erlebt. Uns geht es darum, das Handwerkszeug zu liefern, wie der Teufelskreis durchbrochen werden kann und wie junge Menschen im Konfliktfall gegen Gewalt stark gemacht werden können."

Nach der Theatereinheit, die alle Facetten von Gewalt im Schüler- Lehrerdasein bediente, ging es in den Klassenräumen beim Schülertraining weiter. Theaterpädagoge Ronnie, stets auf Augenhöhe mit den Siebtklässlern, zeigte, wie man auf verbale Provokation wie Beleidigungen reagieren, wie man aus einer Opferrolle aussteigen und Grenzen aufzeigen kann. Schlüssel zum konfliktfreieren Umgang ist die positive Körpersprache, die im Klassenverband trainiert wurde.

(RP)