Gastbeitrag über das Thema Vergebung Nicht in Kleinigkeiten verrennen

Rheinberg · Pastoralreferent Max Eickmann aus Rheinberg wirbt dafür, über die Fehler anderer Menschen öfter hinwegzusehen: Wenn wir großzügiger zu uns und anderen werden, haben wir auch mehr Kraft für große Herausforderungen.

Pastoralreferent Max Eickmann (Archiv).

Pastoralreferent Max Eickmann (Archiv).

Foto: Bischöfliche Pressestelle - Christian Breuer

In den Bibeltexten für den morgigen Sonntag geht es um Vergebung. Das, was wir vergeben, wird auch uns vergeben. Ich glaube, dass uns diese Vergebung gut zu Gesicht steht. Der Ton unserer Gesellschaft wird immer rauer und rauer. Da wäre es durchaus an der Zeit, dass wir alle großzügiger mit unseren Mitmenschen umgehen und auch einfach mal ohne großes Getue vergeben.

Das erleichtert uns alle. In unserer Zeit, in der die Grenze des Sagbaren immer weiter, vor allem nach rechts, verschoben wird, haben wir den Luxus, uns über Kleinigkeiten aufzuregen, gar nicht mehr. Es gibt so vieles, was ansteht, und so vieles, für das es sich lohnt zu kämpfen. Das Schlimmste, was wir machen können, wäre, sich in Kleinigkeiten zu verrennen. Wenn wir im Kleinen großzügig sind und da über Fehler hinwegsehen, dann wird auch uns großzügig entgegengesehen werden.

Und wenn wir großzügiger zu uns und den anderen werden, dann haben wir die Kraft, die Herausforderungen anzugehen. Dann lassen wir uns nicht auseinander treiben und stehen gemeinsam für Freiheit, Demokratie und Menschenwürde ein. Denn diese Werte, die in unserem Land so wichtig sind, gibt es nicht umsonst. Für diese Werte einzutreten, lohnt sich. Um Kleinigkeiten zu ringen, lohnt sich dagegen nur sehr begrenzt. Was sich überhaupt nicht lohnt, ist nachtreten und nachhaltig beleidigt sein. Damit schaden wir nämlich nicht dem, der uns etwas getan hat, sondern in erster Linie uns selbst.

Wir sind, mit allen unseren Fehlern und Verfehlungen, geliebte Kinder Gottes. Das bleiben wir auch. Dieser riesige und unerschöpfliche Vorrat an Vertrauen sollte es uns ermöglichen, uns immer wieder für Versöhnung und Verzeihen einzusetzen.

Der Prophet Jesus Sirach sagt genau das, wenn auch etwas handfester: „Groll und Zorn sind abscheulich, nur der Sünder hält daran fest.“ Das klingt vielleicht hart, ist aber eine Frohe Botschaft: Fehler sind erlaubt und können passieren. Uns, aber auch allen anderen. Großzügigkeit lohnt sich doppelt: sie macht uns nicht nur das Leben leichter, sondern wir kriegen sie auch noch zurück.

(RP)