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Kiesgegnerin Denise Cleve aus Drüpt im Interview: „Das Thema Kies spaltet die Menschen“

Interview mit Denise Cleve : „Das Thema Kies spaltet die Menschen“

Die 37-jährige Drüpterin Denise Cleve engagiert sich intensiv in der kontroversen Kies-Debatte. Sie findet, dass der Niederrhein viel mehr ist als eine „Kiesgoldgrube“.

Lange war es ruhig im ländlichen Drüpt. Aber seit sich die Nachricht verbreitet, dass hier mehr als 90 Hektar Äcker und Wiesen zur riesigen Kiesbaustelle werden sollen, ist mächtig was in Bewegung. Landwirte haben ihre Stimme erhoben, fast 100 Leute formierten sich zum Protest-Foto auf dem Acker am Ohlfeldweg. „Nein zu Kiesabbau in Drüpt!“ steht auf Bannern, die an den Hauptstraßen eine klare Botschaft senden. In nur elf Tagen ist die Facebook-Gruppe „Kiesabbau von Millingen bis Drüpt“ auf mehr als 350 Mitglieder angewachsen. Sozialpädagogin Denise Cleve (37), die seit sieben Jahren auf einem ehemaligen Hof an der Hucker Straße Pferde hält, ist eine der Betroffenen, die sich in der Angelegenheit engagiert. Sie geht davon aus, dass es am Donnerstag, 14. Februar, um 18 Uhr rappelvoll wird im Schulzentrum, wenn Bürgermeister Thomas Ahls den Regionalplan vorstellt.

Wie haben sie davon erfahren, dass in Drüpt mehr als 90 Hektar ausgebaggert werden sollen?

Denise Cleve Vor knapp zwei Wochen wurde ein Info-Flyer verteilt. Das Papier hat die Leute wachgerüttelt. Da haben die meisten zum ersten Mal erfahren, was hier geplant wird. Ich mache seither kaum was Anderes, als mich um Infos zum geplanten Kiesabbau und den daraus resultierenden Folgen zu kümmern.

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Waren Sie vorher politisch aktiv?

Cleve Nein. Aber in der Tat. Ich bin da in ein Politikum par excellence rein geraten. Bislang habe ich mich zwar für Politik interessiert. Ich habe mich bei Themen, die ja meist sehr komplex sind, eingehend über die unterschiedlichen Positionen informiert, um mir dadurch fundiert eine Meinung zu bilden, aber nicht um mich aktiv einzumischen.

Warum haben sie beim Thema Kies sofort angebissen?

Cleve Weil’s mich direkt etwas angeht, wenn ein Steinwurf vor meinem Haus um mich herum mehrere große Kiesgruben entstehen sollen und mir wie einigen anderen auch die Insellage droht. Und weil ich, ehe das versprochene, wie auch immer geartete Naherholungsgebiet kommt, eventuell viele Jahre Lärm, Dreck und Verkehr ertragen muss. Darüber hinaus bestehen in der Nachbarschaft teils massive Befürchtungen. Da möchte ich schon ein bisschen mehr wissen als bisher.

Wie nehmen Sie die Befindlichkeiten vor Ort wahr?

Cleve Die Befürchtungen sind groß, die Menschen wissen nur wenig. Das nährt Spekulationen und Ängste. Im Herbst sind Grundstückseigentümer ins Rathaus eingeladen worden, andere Betroffene wurden anscheinend nicht angeschrieben. Ein benachbarter Verein hier hat beispielsweise im vorigen Jahr den Pachtvertrag für sein Gelände verlängert. Der wusste nichts.

Sehen sie Behörden-Versäumnisse?

Cleve Alle Beteiligten haben sich sicher rechtlich korrekt verhalten. Die Pläne waren früh für alle einsehbar. Trotzdem wusste der Großteil der Bürger, mit denen ich gesprochen habe, nichts vom Ausmaß der Planungen. Hier hätte für mein Empfinden im Vorfeld mehr Nähe vor allem zu den Anwohnern gesucht werden müssen. Es besteht erheblicher Nachholbedarf. Ich wünsche mir, dass der Info-Abend einen Teil aufarbeiten kann. In meinen Augen braucht es sozial- und umweltverträgliche Konzepte.

Warum war es, anders als auf der Bönninghardt, in Drüpt lange still?

Cleve Weil augenscheinlich kaum einer wusste, was los war. Manche argwöhnten, dass an den Menschen vorbei etwas durchgesetzt werden sollte. Jetzt ist das Pulverfass hochgegangen. Wäre das geplante Ausmaß früher bekannt gewesen, wäre Protest früher laut geworden. Nun wird die Zeit knapp, weil Ende des Monats die Widerspruchsfrist zu den Plänen endet.

Was machen die Kiespläne, die sich nun anscheinend wie ein Lauffeuer rumsprechen, mit Drüpt?

Cleve Das Thema spaltet die Menschen, die vielfach ganz unterschiedliche Interessen und Meinungen haben. Das geplante Vorhaben sorgt für erhebliche Unruhe. Es trägt Konflikte in Nachbarschaften und Freundeskreise. Viele sind erstaunt, wenn sie von den Plänen erfahren, sind dann verunsichert von dem, was kommen mag, und reagieren mitunter wütend, wenn sie realisieren, welches Ausmaß die Planung hat. Der Info-Abend hätte viel früher stattfinden müssen, vermutlich wäre die Situation vor Ort dann nicht so hoch gekocht.

Was erwarten Sie von dem Abend?

Cleve Ich denke, dass nicht alle Fragen ausreichend beantwortet werden. Ich persönlich erhoffe mir, dass die Befürchtungen der Menschen von Drüpt über Huck bis Millingen gehört werden. Es wird darauf ankommen, durch Offenheit und umfangreiche Information der Verunsicherung aktiv entgegen zu wirken. Das Votum der Drüpter und Hucker muss sich am Ende auch in der Stellungnahme der Gemeinde wiederfinden. Unsere Heimat darf nicht abgegraben werden, weder Drüpt noch Huck noch Bönninghardt und auch nicht Millingen. Der Niederrhein ist so viel mehr, als „nur“ eine Kiesgoldgrube.