Kies-Podium in Alpen: Weitere Flächenausweisungen angekündigt

Weitere Flächenausweisungen angekündigt : Der Kieshunger ist noch nicht gestillt

Das Podium der „Heier Kiesgegner“ zog rund 300 Leute an. RVR-Chefplaner Martin Tönnes, zum wiederholten Mal Gast auf der Bönninghardt, kündigte zusätzliche Flächenausweisungen für Abgrabungen an. Die Debatte war kontrovers aber sachlich.

Kies treibt die Menschen am Niederrhein um. Rund 300 von ihnen füllten am Mittwochabend – trotz mächtiger Konkurrenz durch König Fußball – den Saal des Traditionsgasthofes Thiesen auf der Bönninghardt. Von Hamminkeln bis Kevelaer waren sie gekommen, um zu hören, wie sich die politischen Entscheider zu immer konkreter werdenden Planspielen stellen, die die niederrheinische Seenplatte in Zukunft noch deutlich vergrößern wird. Wenn’s denn so kommt, wie es geplant ist. Für die allermeisten im kieskritischen Publikum war die Frage des Abends rein rhetorischer Art: „Sand und Kies, Fluch oder Segen?“

Daran hat die wohltuend sachliche, höchst spannende Experten-Debatte kaum was verändert. Zumal Martin Tönnes, Chefplaner beim Regionalverband Ruhr (RVR), gleich zu Beginn für einen Paukenschlag sorgte. Ungeschminkte Aussage: Das, was im höchst umstrittenen Entwurf jetzt vorliegt, ist nicht das letzte Wort. Es wird – aus der Perspektive der Abgrabungsgegner betrachtet – alles noch viel schlimmer. Er werde an Abgrabungsflächen gehörig nachlegen müssen, kündigte Tönnes die Überarbeitung des Regionalplanentwurfs mit einer erneuten Offenlage an.

Dafür gebe es zwei Gründe: Zum einen liege der aktuelle Lagebericht (Monitoring) des Geologischen Dienstes auf seinem Schreibtisch. Der bilde mit seinen Abgrabungsmengen für Sand und Kies die „Dynamik der letzten Jahre“ ab. Das führe in der geltenden Logik der Hochrechnung des künftigen Bedarfs zwangsläufig zu mehr Bedarf. Gleichzeitig führe der neue Gebietsentwicklungsplan (GEP), den die Landesregierung im Sommer zur Abstimmung stellt, in der Konsequenz dazu, dass zusätzliche Flächen ausgewiesen werden müssen. Das hört man am Niederrhein gar nicht gern. Denn hier liegt der begehrte Rohstoff für Beton.

Christian Winterberg rechnete als Vertreter des Bündnisses Niederrheinappell 2019, dem sich 14 Bürgerinitiativen angeschlossen haben, vor, was allein die Verlängerung des planerischen Versorgungszeitraums um fünf auf 25 Jahre im neuen GEP bedeute. Dadurch würden weitere 300 Hektar Niederrhein – „420 Fußballfelder“ – ausgekoffert und gingen letztlich landschaftlich verloren.

So rückte die Ermittlung des Rohstoffbedarfs in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung auf dem Podium. Hier zeigte sich bei aller parteipolitischer Abgrenzung, dass die zahlreichen Proteste am Niederrhein farbenübergreifend das Bemühen fördern, den Rohstoffhunger und damit den ungezügelten Flächenverbrauch Schritt für Schritt zu zügeln. CDU-Landtagsabgeordnete Charlotte Quik sah die Probleme nicht so sehr im aktuellen Entwurf des Gebietsentwicklungsplans. Sie zeichnet als Kompromisslinie eine noch recht nebulöse „nachhaltige Ausstiegsstrategie“ aus der endlichen Ressource Kies in ihrer niederrheinischen Heimat. Sie sprach von Schwierigkeiten, „die Bedrängnisse der Bevölkerung in Düsseldorf deutlich zu machen“, um so „die Interessen der Menschen mit denen der Rohstoffsicherung in Einklang“ zu bringen.

René Schneider (SPD), der im Landtag die Oppositionsbank drückt, geht das nicht weit genug. Er attackierte die Ausdehnung des Sicherungszeitraums im LEP auf 25 Jahre. „Dafür gibt es keinen Grund, nur einen Satz im Koalitionsvertrag.“ Horst Becker, für die Grünen im Landtag und vormals Parlamentarischer Staatssekretär von Umweltminister Remmel, geißelte den „ideologisch motivierten Entfesselungsblödsinn“, Konzentrationszonen für Kies aufzuweichen. Damit beschwöre die Landesregierung die konkrete Gefahr herauf, dass sich Betriebe „in jedes Loch einklagen, in das sie wollen“.

Als Sprecher der niederrheinischen Kiesunternehmen, sagte Christian Strunk: „Beton und damit Kies braucht jeder.“ Xantens Ex-Bürgermeister plädierte für eine gemeinsame Suche nach möglichst konfliktarmen Flächen.

(bp)
Mehr von RP ONLINE