Rheinberg: Kein Mangel an Schiedsleuten

Rheinberg: Kein Mangel an Schiedsleuten

Acht Schlichter sind vereidigt worden. 20 Leute hatten sich beworben.

Wenn der Apfel allzu weit vom Stamm fällt und dem lieben Nachbarn den ungetrübten Blick auf den gepflegten Rasen verhagelt, kommt es oft zu Streitfällen. Damit nicht jeder vor Gericht landet, versuchen Schiedsfrauen und -männer zu schlichten. Dieses Ehrenamt zu besetzen, ist für viele Kommunen eine Herkulesaufgabe. Nicht so in Rheinberg, dort hatte man sogar die Qual der Wahl.

"Wir waren überrascht, dass sich für dieses wichtige Ehrenamt gleich 20 Kandidaten beworben haben", freute sich Bürgermeister Frank Tatzel. Da für die vier Schiedsbezirke nur acht Personen gesucht wurden, musste gefiltert werden. "Mindestalter 31, zudem soll der Kandidat in dem Ortsteil wohnen, in dem er auch eingesetzt ist, und Erfahrung ist hilfreich", erklärt Dennis Stradmann vom Ordnungsamt. Nicht nötig: juristische Vorbildung. Stradmann: "Schiedsleute sollen auf zwischenmenschlicher Ebene schlichten und nicht auf juristischer."

Schließlich wurden in Abstimmung mit dem Rat acht Kandidaten für die nächsten fünf Jahre vereidigt - neben den "alten Hasen" Hermann Bergs und Hans Broens sechs Neulinge. Eine davon ist Sonja Engelmann: "Nach der Vereidigung bekam ich fünf Zettel mit Schlichtungsfällen in die Hand gedrückt. Dabei habe ich noch keine Ahnung." Durch die Erkrankung ihres Vorgängers ist einiges liegengeblieben. "Wir bieten regelmäßig Lehrgänge an. Bei Frau Engelmann reichte die Zeit dafür leider nicht", bedauert Stradmann.

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In dem Fall kommt Hilfe von den erfahrenen Kollegen wie Hermann Bergs, der das Amt seit 16 Jahren ausübt. Vier bis fünf Fälle bearbeitet Bergs im Jahresdurchschnitt. Als er 2001 anfing, waren es mehr als doppelt so viele. Leichter geworden ist die Arbeit allerdings nicht. "Der Ton ist schärfer, der Umgang härter geworden. Die Bereitschaft, Streit außergerichtlich zu glätten, hat deutlich abgenommen." Damit Streitereien nicht im Wohnzimmer der Schiedspersonen eskalieren, stellt die Stadt Räume zur Verfügung. Die meisten Kontrahenten sind Nachbarn. "Der Streit am Gartenzaun ist der Klassiker", so Hans Broens.

Schiedsamtsbezirk I (Rheinberg, Annaberg, Winterswick, Alpsray und Millingen): Hermann Bergs, Stellvertreter: Gerburg Dicks; II (Orsoy, Orsoyer Berg): Sonja Engelmann, Stellvertreterin: Andrea Schieg; III (Budberg, Eversael, Vierbaum): Hans Broens, Stellvertreterin: Dagmar Kullmann; IV (Borth, Wallach, Ossenberg): Uwe Walde, Stellvertreter: Heiko Knop

(RP)