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Kaum Wohnraum für anerkannte Asylbewerber in Alpen

Flüchtlinge in Alpen : Kaum Wohnraum für anerkannte Asylbewerber

Während die Aufnahme von Neuankömmlingen in Alpen voll im Soll liegt, gestaltet sich die Unterbringung anerkannter Asylbewerber schwierig.

Die Gemeinde Alpen hat nach den reinen Zahlen ihre Pflicht zur Aufnahme von Flüchtlingen nahezu erfüllt. Aktuell 55 Personen bedeuten, dass das Soll von 60 aufzunehmenden Personen fast zu 100 Prozent erreicht wird. Andreas Rösen, der sich im Rathaus mit den Flüchtlingsfragen beschäftigt, hat es in seinem Bericht für den Rat sogar exakt beziffert: Es sind 92 Prozent der Quote erreicht.

Weniger gut sieht es bei den anerkannten Asylbewerbern aus. Hier liegt Alpen mit der Unterbringung von 65 Personen deutlich unter der Vorgabe des Landes von 199. Die Gemeinde erreicht hier nicht mal ein Drittel ihres Solls. Dieser Ausreißer sei für eine kleine Kommune nicht ungewöhnlich. Denn die könnten einfach nicht genug Wohnungen anbieten, um diese Menschen unterzubringen.

Der freie Wohnungsmarkt in und um Alpen sei für Asylbewerber völlig zum Erliegen gekommen, berichtete Rösen. Ein Flüchtling habe ihm mit Tränen in den Augen von seinen zwei Jahre dauernden, immer wieder vergeblichen Versuchen berichtet, eine eigene Wohnung zu finden. Die Gemeinde sucht daher ständig neue Mietwohnungen und bittet Vermieter, die Angebote machen könnten, sich im Rathaus bei Rösen zu melden. Die Gemeinde hatte mal 20 Mietobjekte, hat allerdings viele Mietverträge bedarfsgerecht auslaufen lassen.

Nachdem die Zuweisungen von Flüchtlingen zwischenzeitlich ganz versiegt waren, sind inzwischen wieder regelmäßig Neuankömmlinge zu versorgen, auch wenn man weit von der prekären Situation von vor drei Jahren entfernt sei. 19 Menschen seien in diesem Jahr neu eingetroffen, in Spitzenzeiten waren’s jährlich mal weit mehr als 100 Neuankömmlinge.

Viele der aktuell neuen Flüchtlinge kämen aus einem anderen EU-Land nach Alpen. Als sogenannte Dublin-Fälle müssten sie wieder zurück in die Länder, in denen sie erstmals in Europa registriert worden sind. Die daher drohende Abschiebung mache Integration „natürlich sehr schwierig“, sagte Rösen. Um sich der Abschiebung zu entziehen, würden manche untertauchen. Im laufenden Jahr seien drei Dublin-Fälle abgeschoben worden, sechs seien vorher untergetaucht. Vier Flüchtlinge seien freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Förderprogramme, die finanzielle Anreize böten, erzielten Wirkung.

In den Flüchtlingsunterkünften stünden 112 Plätze zur Verfügung, die bis auf ein paar wenige alle belegt seien. Dennoch müsse niemand fürchten, dass die Tennishalle wieder als Notunterkunft reaktiviert werden müsse. Durch das neue Heim an der Ulrichstraße erhöhe sich das Kontingent noch im Sommer um 38 auf dann rund 150 Plätze.

Rösen lobte ausdrücklich die ausgezeichnete Arbeit der ehrenamtlichen Füchtlingshelfer und ihrer Koordinatorin im Rathaus, Astrid Kummer. Was hier durch die Paten in 1:1-Betreuung an Integrationsleistungen erbracht werde, sei einmalig im Kreis Wesel, höre man immer wieder. Das werde auch außerhalb von Alpen anerkannt.

Kritik äußerte Rösen an der Landesregierung, bei der nicht unerheblich viel Geld hängen bleibe, auf das die Kommune eigentlich einen Anspruch hättee.