Karneval in Veen - so heiß wie in Mexiko

Alpen : Veen - so heiß wie in Mexiko

Selbst der Himmel strahlte blau, als sich der Rosenmontagszug in Bewegung setzte.

Speedy Gonzales ist ein Veener. Die stürmischen Prognosen der Wetterfrösche konnten die schnellste Maus der Welt nicht aufhalten. Aber sie machte Tempo. Um unliebsamen Wetterkapriolen davonzueilen, zog der Zoch - ariba, ariba - so zügig wie in den zurückliegenden 46 Jahren, vorbei an mehr als 10.000 kostümierten Gestalten. Nach einer Stunde, 13 Minuten war er durch. Kaum war die rote Laterne vom Schlusslicht Elferrat "Veenze Kräje" erloschen, vergoss der Himmel ein paar Tränen. Aber das feurige Fest im mexikanischen Dorf war lange nicht zu Ende.

In Lauerstellung: Als sich der Zoch startete, war der Himmel blau. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Einer, der nicht mehr dabei sein kann, war doch präsent: "Charly" Schweden. Karl-Heinz Kamps, über Jahre sein Co-Kommentator beim Zug, erinnerte an ihn. Natürlich. "Wer so ein Dorf organisieren kann, für den ist es im Himmel ein Leichtes, die Wolken über Veen wegzuschieben." HG Conrad, der zweite Mann am Mikro, nickte: kräh, kräh. Die Farbe am Firmament wechselte von bedrohlichem Grau zu strahlendem Blau. Kojoten, Kakerlaken, Gringos, Zorros, Landeier, Biervernichter und andere skurrile Gestalten genossen mexikanische Verhältnisse. Damit keiner verdurstete in der Wüstenei, wo nur Kakteen gedeihen, fuhr eine Brauerei mit: Das "Kommando Biervernichtung" zapfte das Premium-Pils "Veenze Urquell" - nur echt mit Tequila-Flavour.

Zorro verteilte Hüte an das närrische Volk in "La Vena Loca". Foto: Fischer, Armin (arfi)

Auswärtige huldigten "La Veena loca". Der Bürckse Stier sprach vom "geilsten Rosenmontagszug der Welt". Sonsbecker Schlümpfe hatten einen Bier spendenden Tannenbaum hoch auf dem Wagen. Darauf setzen die "Lötkolben" einen betörenden Tusch. Dagegen war die Sirene der Chaos-Clique in ihrer Giganto-Gitarre nur ein Flüsterton.

Die Hei-Lights waren aus der Bönninghardt runter nach Veen gekommen und mischte sich unters Fußvolk. Tausende standen am Zugesrand. Foto: Armin Fischer
Ein hübsches Pärchen, und so freundlich. Die Stimmung unter den fast 15.000 Jecken hätte kaum besser sein können. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Der Radau beeindruckte den jüngsten Jecken im Zug nicht die Spur. Ole Thiesies, gerade mal fünf Monate, schlief seelenruhig an der Brust von Mutter Birgit, Räubersfrau im Gefolge von Hauptmann Brinkhoff auf dem Wagen der Junggesellenschützen aus Alpen. Die Schüürsitters fuhren als Exoten im heißen Zug herrlich neben der Spur: Es gibt kein Eis in Mexiko. Ihre traumhafte Winterlandschaft war ein Geschenk. Für Karo. Das Rosenmontagskind wurde zwölf. Dagegen ist Speedy Gonzales 'ne Uraltmaus.

(RP)
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