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Kabarettist Wolfgang Trepper begeistert in der Rheinberger Stadthalle

Wolfgang Trepper in Rheinberg : Ein Kabarettist, der nach Luft schnappt

Wie aus der Pistole geschossen: Wolfgang Trepper begeistert mit seinem bisweilen atemlosen Wortschwall in der Rheinberger Stadthalle und sammelt für eine Schule in Ost-Afrika.

Der Kabarettist Wolfgang Trepper hat jetzt nach der ewig langen Pandemie-Pause die Kabarett-Reihe im Rheinberger Stadthaus eröffnet und sein Publikum begeistert. Trepper legte kurz und trocken los: „N’Abend hier in Rheinberg Stadthalle.“ Auf der Bühne standen lediglich ein Tisch, ein Stuhl und eine große rote Handtasche. Mit der sammelte Trepper später Spenden für eine Schule im ostafrikanischen Malawi.

Weiterer Utensilien bedurfte es während des starken zweistündigen Auftritts auch nicht. Denn im Zentrum der Vorstellung, die immer wieder von Lachsalven und spontanem Beifall unterbrochen wurde, standen einzig und allein der Künstler im schwarzen Anzug und die Worte, die aus seinem Mund kamen.

Da prasselte vor allem Kritik an allem und jedem, vor allem an den drei Bundeskanzlerkandidaten und der -kandidatin, den Parteien schlechthin sowie an Schlagern der sechziger und siebziger Jahre. Sogar Duett-Partnerin Mary Roos, mit der er sich öfter die Bühne teilt, bekam mehrmals ihr Fett weg. Insgesamt zeigte sich Trepper als ein spitzfindiger, weitsichtiger und feinfühliger Analytiker, als ein Freund des schwarzen Humors – und auch als Wegbereiter des Guten. Wie zum Ende, als er an die Kriegserzählungen seiner Oma erinnerte und darum bat, dass die Menschen bescheidener und dankbarer werden müssten.

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Die Pandemie habe gezeigt, dass die Menschheit ihren Luxus nicht erbarmungslos ausleben könne, sondern dass ihrer maßlosen Verschwendung Grenzen gesetzt seien, so Treppers Lehre aus der Pandemie. Die erwartet große Zustimmung fanden seine Darstellungen der menschlichen Beziehungen im Allgemeinen, diejenigen der partnerschaftlichen im Besonderen.

Wer hätte ihm nicht Recht gegeben, als er davon sprach, dass eine Toilettenpapierrolle nie falsch herum aufgehängt und ein Kalenderblatt nie am Tag zuvor abgerissen werden darf? Gerade bei dem Gedanken an vermeintliche Unzulänglichkeiten redete Trepper sich so richtig in Rage, schien nach Luft zu schnappen, weil ihm bei seinem Sprechtempo kaum Zeit zum Atmen blieb.

Begeistert hatten Helga Becker und Ernst Stradnieks aus Baerl den Abend miterlebt. Sie waren fasziniert von der Live-Performance, hoffen, dass ein Besuch seiner von Dezember 2020 auf den des Jahres 2022 verlegte Show mit Mary Roos in Bonn-Beuel möglich werde.

Die lautstark herbeigeklatschte Zugabe nutzte Trepper zum einen, um auf die Not der Menschen rund um die Veranstaltungen aufmerksam zu machen, zum anderen um sich großzügige Spenden für sein Schulprojekt in Afrika zu erbitten. Mit dem Appell, es bedürfe nur 6200 Euro, um eine dringend notwendige Solaranlage errichten zu lassen, konnte Trepper viele der Gäste für sich und seine Schule gewinnen.

Ein sichtlich gerührter Künstler verabschiedete sich schlussendlich mit dem „ehrlichen Wunsch: auf Wiedersehen“ von der Bühne. Nach der Vorstellung brachte ein nettes Frauenclübchen, zu dem auch die Gattin des ehemaligen Xantener Bürgermeisters Christian Strunk gehörte, seine Vorliebe zum gesellschaftskritischen Kabarett zum Ausdruck. „Die große Bandbreite mit politischen und gesellschaftskritischen Inhalten, teils sarkastisch, teils auch witzig dargeboten, hat uns voll mitgenommen“, äußerten sich Nicole Mertzen, Silke van Ackeren und Stefanie Gerlach-Strunk.

(hvh)