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Jürgen Madry steigt nach 45 Jahren in der Rheinberger Kommunalpolitik aus

Kommunalpolitik in Rheinberg : Der SPD-Fraktionsboss geht ohne Groll

Jürgen Madry (64) hat 43 Jahre lang Kommunalpolitik gemacht, in den vergangenen 16 Jahren als Ratsmitglied. Jetzt gibt der Alpsrayer alle Ämter ab und lässt den Jüngeren den Vortritt. Er unterstreicht die Team-Leistung.

Nach mehr als vier Jahrzehnten zieht sich Jürgen Madry ganz aus der aktiven Kommunalpolitik zurück. „Ich gehe ganz ohne Groll, erhobenen Hauptes und bin ganz zufrieden“, sagt der Alpsrayer, der in den vergangenen sechs Jahren Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion war und sich nicht mehr um ein Ratsmandat beworben hat: „Ich gebe alle Ämter ab und schaue mal, was dann kommt.“ Aus dem Hintergrund als „Besserwessi“ schlaue Ratschläge geben, das will er auf gar keinen Fall. „Das braucht kein Mensch“, betont er.

Die gewonnene Freizeit will der 64-jährige Junggeselle dazu nutzen, sich körperlich fit zu halten. „Und ich werde mich verstärkt um mein Geschäft kümmern“, erzählt er. Als Handelsvertreter verkauft er Garne an Textilbetriebe in aller Welt. Madry: „Corona hat sich da schon bemerkbar gemacht. Ich habe in diesem Jahr noch nicht eine einzige Geschäftsreise unternommen.“

Madry zieht sich in einer für die Rheinberger SPD schweren Zeit zurück. Bei der Kommunalwahl haben die Genossen stark verloren, sind im neuen Rat nur noch mit neun anstatt bisher mit 14 Leuten vertreten und erstmals in der Nachkriegsgeschichte hinter CDU und Grünen  nur noch drittstärkste Kraft. „Ich kann für meine Kollegen nur hoffen, dass sie trotzdem etwas bewegen können und dass es wieder bergauf geht mit der SPD.“

Ob viele Jahre als Ortsvereinsvorsitzender, als Fraktionsgeschäftsführer unter Thomas Ohl, als stellvertretender Fraktionschef unter Klaus Bechstein oder zuletzt als Sprecher der Fraktion – „die Arbeit hat immer Spaß gemacht und war vor allem immer eine gute Teamleistung“, so Madry. Alleine lasse sich in der Politik gar nichts bewegen.

Mitglied der SPD ist Madry seit 1977. Sechs Jahre zuvor war er als 15-Jähriger mit seinen Eltern von Repelen nach Rheinberg umgezogen, begann eine kaufmännische Ausbildung im Textilwerk Reichel. „Damals gab es in der Millinger Stadthalle ein städtisches Jugendzentrum. Als die Stadt das aufgeben wollte, habe ich einen Verein gegründet und das Jugendzentrum lief weiter“, so Jürgen Madry. Später mischte er in der Kulturinitiative Bärenstarke Bühne mit und kämpfte in der Bürgerinitiative gegen die geplante Veba-Ansiedlung im Orsoyer Rheinbogen. „Irgendwann bin ich dann in die SPD eingetreten“, so Madry, der dem Rat seit 2004 angehörte und von Beginn an Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt war.

„Ich habe rund 90 Ausschusssitzungen geleitet, demnach rund 90 Vorgespräche insbesondere mit Baudezernent Dieter Paus geführt, mit dem ich sehr gut und sehr gerne zusammengearbeitet habe, und 90 Fraktionssitzungen dazu gehabt.“

Als größte Herausforderung für Rheinberg sieht er die Bewältigung der finanziellen Engpässe. Der Weg, da macht sich auch Jürgen Madry nichts vor, führe erneut Richtung  Haushaltssicherung.

Wie die AfD das Klima im Rat beeinflussen wird, weiß er nicht. Ihm sei schleierhaft, wie man eine Partei wählen könne, der Holocaust-Leugner angehörten. „Für mich“, so Jürgen Madry, „ist das eine rechtsextreme Partei. Wir müssen uns fragen, was Rheinberg falsch gemacht hat und warum so eine Partei hier überhaupt Stimmen bekommt.“