Rheinberg: Jede Woche eine Kiste frisches Gemüse

Rheinberg: Jede Woche eine Kiste frisches Gemüse

Solidarische Landwirtschaft in Rheinberg: Auf dem Spellener Tinthof können 80 Interessierte eigene Anteile an Ernteflächen für 75 Euro im Monat kaufen. Auch seltene Sorten werden auf den Acker-Parzellen angebaut.

Frischen Salat oder schmackhafte Tomaten direkt aus der Region frisch auf den Tisch. Davon träumen viele, aber der nächste Hofladen bietet oft nur ein beschränktes Sortiment, und beim Gemüse aus dem Supermarkt bleibt die Frage nach der Herkunft meist offen. Zudem schaden lange Transportwege vielfach der Klimabilanz. Einen alternativen Ansatz bietet jetzt der Verein "SoLaWi Niederrhein". Der Name leitet sich aus dem Grundgedanken einer solidarischen Landwirtschaft ab. Einer für alle, alle für frisches Gemüse könnte das Motto lauten. Dafür hat der Verein auf dem Spellener Tinthof einen Acker gepachtet, auf dem zwei erfahrene Gärtner künftig vom Kohlkopf bis zur Petersilie die ganze Palette an heimischen Gemüsesorten anbauen. Auf der anderen Seite stehen die Anteilseigner, die sich für 75 Euro monatlich jede Woche eine Kiste davon abholen dürfen, frisch vom Acker. Kinderlose Paare oder Single sind mit einer halben Kiste für 40 Euro dabei.

Unkrautpflücken oder gießen muss eigentlich niemand, dennoch bekommen die Gärtner auch in der Woche häufig Besuch. "Viele Menschen, vor allem aus der Stadt, kommen vorbei und sehen ihrem Salat beim Wachsen zu. Manche sehen das Unkrautpflücken sogar als angenehmen Ausgleich zum Job. Auf diese Weise entsteht ganz nebenbei ein völlig neues Verständnis zum Anbau von Lebensmitteln", erklärt Rainer Kursch. Eine Konkurrenz zum Bio-Bauern von nebenan sieht das Vorstandsmitglied des Vereins in der Solidargemeinschaft aber nicht. "Wir können eine enorme Vielfalt anbieten, auch mal seltenere Sorten anbauen. Und wenn eine Ernte schlecht ist, tragen alle das Risiko. Das kann sich ein Gemüsebauer nicht leisten", so Kursch.

Heike und Christian Hülsermann, Betreiber des Spellener Tinthofes, waren von diesem Ansatz sofort begeistert. "Die Menschen, die dort mitmachen, tragen die Idee und Begeisterung einer Gemeinschaft in sich, die faire Landwirtschaft unterstützen möchte", sagt Christian Hülsermann. Seine Frau Heike sieht darin eine große Chance: "Es ist uns sehr wichtig, die Menschen auf den Hof zu holen, um ein Bewusstsein für natürliche Produkte zu schaffen. Als Bio-Milchviehhof mit Hühnerhaltung bieten wir dazu Käse aus eigener Herstellung, Eier und Rindfleisch an." Ein Problem der Landwirtschaft liegt nach Ansicht der Hülsermanns, die die Pacht für den Acker mit der Mitgliedschaft im Verein verrechnen, darin begründet, dass den Menschen längst der Bezug zum Anbau von Nahrungsmitteln fehlt.

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Das möchten auch die Landwirte aus Voerde und Umgebung ändern und haben dem Verein zum Tag der offenen Tür am vergangenen Samstag Kartoffeln, Äpfel und Rote Beete vorbeigebracht, um den Mitgliedern die Wartezeit auf die erste eigene Ernte zu verkürzen. Insgesamt 80 Anteilseigner möchte und muss man bis zum Ende der Zeichnungsfrist Ende April beisammen haben. Birgit und Walter Hüsges aus Büderich mussten nicht lange überlegen, sie traten der Gemeinschaft direkt vor Ort bei. "Zum einen haben wir gar keine Zeit für den eigenen Garten, und zum anderen haben wir hier die Garantie, dass unser Gemüse frisch ist, biologisch angebaut wird und einen regionalen Hintergrund hat", erzählt Birgit Hüsges.

Weitere Infos auf der Website des Vereins: www.hpg-ob.de/solawi-niederrhein

(RP)