Alpen: Institut erfasst Motte dreidimensional

Alpen: Institut erfasst Motte dreidimensional

Die Linse eines Scanners wird von 60 verschiedenen Standpunkten die Entfernung messen. Am Computer entsteht dann ein virtuelles Geländemodell.

Auf den ersten Blick handelt es sich um einen banalen Erdhügel, auf dem sich acht in Metern Höhe ein knapp 1300 Quadratmeter großes Plateau erstreckt. Tatsächlich aber ist die kurz hinter dem Ortsausgangsschild der Ortschaft Alpen gelegene Motte so etwas wie das Wahrzeichen der Gemeinde. Verbirgt sie doch tief in ihrem Innern die Überreste einer im 12. Jahrhundert durch Heinrich von Alpen errichteten Burg, die gemeinsam mit der auf dem Gelände des heutigen Netto-Marktes befindlichen Vorburg jahrhundertelang zu den größten Burganlagen des unteren Niederrheins zählte.

Dieses Bodendenkmal ist nun in Gefahr (die RP berichte ausführlich). Grund dafür ist der während des zweiten Weltkrieges oberhalb des Fundamentes von Bergleuten errichtete Schutzstollen. Als erste Sofortmaßnahme gegen den drohenden Einsturz des durch Holzbalken gestützten Stollens wurden im vorigen Monat bereits etliche ohnehin morsche Bäume gefällt.

Um herauszufinden, wie es um das Innenleben der Motte und vor allem die Sicherheit bestellt ist, sind Melanie Eigen und Dirk Herdemerten vom Kölner Institut für historische Kulturlandschafts- und Bodendenkmalpflege (Minerva X) derzeit im Auftrag der Gemeinde damit beschäftigt, einen 3D-Scan der Motte zu erstellen. Dabei dreht sich die Linse eines Scanners von 60 verschiedenen Standpunkten aus permanent in alle Richtungen, ein Laser misst dabei Entfernungen, sobald er auf ein Hindernis stößt.

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"Am Computer entsteht dann ein dreidimensionales Geländemodell. Dadurch erhoffen wir uns, mehr über das tatsächliche Alter und das Aussehen der Motte zu erfahren", erklärt Herdemerten. Gleichzeitig graben er und sein Team vorsichtig an der Oberfläche. Mit erstaunlichen Ergebnissen: So konnten sie an der Ostseite des Plateaus Mauerreste aus Ziegelsteinen freilegen, die einer ersten vorsichtigen Prognose Herdemertens zufolge aus einem Burgumbau im 16. Jahrhundert stammen. "Jetzt legen wir die Mauerreste so weit wie möglich frei und folgen so den Fundamenten, die noch im Boden sind", erläutert Herdemerten weiter.

Dabei wollen die Bodendenkmalpfleger auch auf die Fundamente des einst mächtigen Turmes auf der dem Schulzentrum zugewandten Seite stoßen. Die Funde von Tuffsteinen aus der Eifel deuten außerdem darauf hin, dass die Burg in der Mitte des letzten Jahrtausends über ein schmuckvolles Eingangsportal verfügte. Im nächsten Schritt wird der alte Stollen aufgemacht, um festzustellen, welche Sicherungsmaßnahmen die Gemeinde treffen muss, damit nichts einstürzt. Ausgrabungen wird es übrigens nicht geben, versichert Herdemerten: "Wenn die alten Ziegel offen liegen, zerfallen sie mit der Zeit.

Unser Ziel ist es, dieses für Alpen herausragende Bodendenkmal zu erhalten und den Menschen hier dennoch die Vorstellung zu vermitteln, wie die Burg einmal ausgesehen hat." Altes Tafelsilber oder gar die Schmuckschatulle der Kurfürstin Amalia von Neuenahr-Alpen sind in den Überresten der nach einem Erdbeben im Jahre 1756 unbewohnbaren Burg ohnehin nicht zu erwarten. "Die Franzosen haben die Burgruine im Jahre 1809 käuflich erworben und sie Stein für Stein abgetragen, um mit dem Material die heutige Burgstraße zu bauen", erläutert so Herdemerten.

(erko)
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