1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Rheinberg: Im Stellwerk geht noch alles von Hand

Rheinberg : Im Stellwerk geht noch alles von Hand

Im mechanischen Stellwerk am Reitweg werden Weichen für die Strecke Duisburg-Rheinberg-Xanten gestellt.

xanten Thorsten Düding sitzt an seinem Arbeitsplatz im Bahnhof Rheinkamp und wartet auf den Zugmelderuf aus Rheinberg. Der Fahrdienstleiter im mechanischen Stellwerk am Reitweg soll Zug 75099 aus Rheinberg annehmen. Doch sein Kollege aus Rheinberg meldet, dass der Zug mit acht Minuten Verspätung abfährt. Der Monitor, der den Bahnübergang an der Annastraße überwacht, ist ausgefallen. Jetzt muss der Zugführer dort anhalten und sich vergewissern, dass die Schranken geschlossen und der Bahnübergang frei ist.

Josef Deja, Bezirksleiter Betrieb bei der Deutschen Bahn, fordert sofort einen Hilfsposten für 72 Stunden an, der den Bahnübergang überwachen soll. Deja ist für die Bahnstrecke zwischen Rheinhausen und Xanten und für die Strecke Kerken-Kleve zuständig. Heute stattet er dem Stellwerk in Rheinkamp einen Besuch ab.

Der ausgefallene Monitor kostet Zeit, für die Fahrgäste bedeutet die Verspätung, dass sie ihre Anschlusszüge in Duisburg vielleicht nicht erreichen. Auch in der Gegenrichtung gibt es heute Probleme mit Zug 75094. Wegen einer technischen Störung in einem anderen Stellwerk kann Fahrdienstleiter Düding das Signal nicht setzen. Jetzt steht der Zug vor dem Haltesignal und muss warten, bis Thorsten Düding ihm den Befehl erteilt hat, das Signal in Haltestellung zu passieren. Den Befehl muss Düding schriftlich dokumentieren. Dann erst darf der Lokführer losfahren. Auch dieser Zug hat jetzt 10 Minuten Verspätung.

  • Info : Neues Stellwerk in Duisburg: Diese Züge sind betroffen
  • Fotos : Das sind die Schwarzfahrer-Hochburgen in Deutschland
  • Fotos : So sehen die Flüsterbremsen der Bahn aus

Der Bahnhof in Rheinkamp ist kein Haltepunkt auf der Strecke. Bis im letzten Jahr die Zeche in Kamp-Lintfort schloss, war Rheinkamp immerhin ein Güterbahnhof. Doch hier werden trotzdem wichtige Weichen für die Strecke zwischen Duisburg und Xanten gestellt. Die Weichen tragen die Nummern 41 und 42, sie regeln die Einfahrt in den eingleisigen Streckenabschnitt zwischen Rheinberg und Xanten.

Die Bahnstrecke zwischen Duisburg und Xanten ist laut Auskunft der Deutschen Bahn seit etwa 1904 in Betrieb. Seitdem steht dort in Rheinkamp auch das mechanische Stellwerk. Die Mechanik ist die älteste Stellwerksbauform bei der DB, sagt Josef Deja. In Millingen steht ein elektromechanisches Stellwerk, in Moers werden die Zugfahrten durch ein Gleisbildstellwerk in Spurplantechnik gesichert. Elektronische Stellwerke, wie gerade eins in Duisburg in Betrieb genommen wird, entsprechen der neuesten Technik und funktionieren computergesteuert. Deswegen müssen Fahrgäste noch bis Sonntag mit Einschränkungen rechnen. "Das Stellwerk in Rheinkamp wird irgendwann der Vergangenheit angehören", sagt Deja. Doch die Modernisierung gehe auch mit dem Abbau von Arbeitsplätzen einher. Derzeit arbeiteten fünf Männer pro Schicht in Rheinkamp, Rheinberg und Millingen. Nach der Modernisierung könnte die Arbeit ein einzelner verrichten.

Im mechanischen Stellwerk muss der Fahrdienstleiter noch alles von Hand erledigen. Der Betriebsablauf folgt klaren Routinen, die der Sicherheit dienen und Bedienungsfehler verhindern. Düding muss die Weichen und Signale stellen. Mit dem Fahrstraßenhebel prüft er, ob die Weichen richtig liegen. Das Signal zur Durchfahrt kann er erst stellen, wenn ihm der vorgelegene Bahnhof die Zustimmung erteilt hat, die Schranken geschlossen sind und der Weichenwärter in Rheinkamp die Weichen richtig gestellt hat. Dann erst darf der Zug durchfahren. Mechanismen, von denen der Lokführer und Fahrgäste nichts mitbekommen.Wenn der Zug durch den Bahnhof gefahren ist, gibt Düding die Erlaubnis an den nächsten Bahnhof ab. Dann stellt er schon die Weichen für den Nächsten.

(RP)