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Rheinberg: "Ich halte G8 für eine gute Lösung"

Rheinberg : "Ich halte G8 für eine gute Lösung"

Als Forderung aller Landtagsfraktionen hatte Nordrhein-Westfalen im Jahr 2004 das Abitur an Gymnasium nach acht Jahren ("G8") politisch auf den Weg gebracht. Begründet wurde dies mit einem "verantwortungsvolleren Umgang mit der Lebenszeit der Kinder". 2013 gingen am Rheinberger Amplonius-Gymnasium in einem Doppeljahrgang die ersten "G8"-er in die Reifeprüfung. Doch möglicherweise wird ausgerechnet das früher viel geforderte "G8" zum Auslaufmodell. In Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein beispielsweise werden die Schuluhren an Gymnasien wieder auf "G9" zurückgedreht. Auch in NRW startete unter dem Titel "G9-jetzt-nrw" ein Volksbegehren für die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren.

Für Marcus Padtberg, Direktor am Amplonius-Gymnasium, ist das eigentlich keine Option. "Ich halte ,G8' im Kern für eine gute Lösung", bestätigt er nachdrücklich. Eine Lösung mit viel Entwicklungspotenzial. "G8" dürfe nicht das statische System einer reinen Lehranstalt sein, sondern müsse Schülern ein Angebot bieten, das "in die Breite" geht. "Wir wollen bei uns nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern darüber hinaus spezielle Talente, Fähigkeiten und Potenziale fördern", so Padtberg. Die Schüler werden ermutigt, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Hier sieht er das Amplonius-Gymnasium unter anderem mit Projekten wie "Lernen hoch 3", das Drehtürmodell, die "Förderbar", Uni Trainees und "internationale Begegnungen" auf einem gutem Weg, der konsequent ausgebaut werden muss. Der Bildungsauftrag des Gymnasiums bleibt für den Schulleiter klar umrissen: "Wir bereiten aufs Studium vor."

Die vorherrschende Kritik, "G8" lasse den Kindern und Jugendlichen zu wenig Raum für Familie, Freude und Freizeit, hat Padtberg aus der Amplonius-Elternschaft übrigens nicht zu beklagen. Im Gegenteil: Gefordert werde vielmehr ein optimale und vielseitige Ausgestaltung der achtjährigen Schulzeit bis zum Abi. Die Rahmenbedingungen sind vergleichsweise gut: Das Rheinberger Gymnasium ist eine Halbtagsschule, die Belastung aufgrund von Nachmittagsunterricht gerade in den unteren Klassen eher gering. Keine Frage: Der "G8"-Weg zum Reifezeugnis ist anstrengend. Doch selbst in den oberen Jahrgangsstufen sei die Bereitschaft groß, sich auf freiwilliger Basis in Projekten und Arbeitsgemeinschaften zu engagieren, betont Marcus Padtberg. Ein Indiz dafür, dass die jungen Menschen am Amplonius gerne lernen und leben. Das bestätige sich immer wieder im Gespräch mit Ehemaligen: "Wir sind gut auf Studium und Leben vorbereitet worden" laute der Tenor der ex-Amplonianer.

Auch für die Rheinberger Schullandschaft ist die derzeitige Situation mit "G9" an der Europaschule und "G8" am Gymnasium ein gutes Angebot. "Würde das Rad auf 'G9' zurückgedreht, müssten sich die beiden weiterführenden Schulen noch weiter voneinander abgrenzen oder aber enger zusammenarbeiten", mutmaßt der Amplonius-Direktor.

Das Szenario, "G8" und "G9" gleichzeitig an einer Schulform anzubieten, ist für Marcus Padtberg kaum vorstellbar. "Das würde nicht nur zu erheblichen räumlichen Problemen an unserer Schule führen, sondern möglicherweise auch zu einer Zwei-Klassengesellschaft auf dem Weg zum Abitur", vermutet er. Es bleibe immer der fade Beigeschmack, dass bei den "G8"ern die Crème de la Crème sitze.

(RP)