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Home.Alpen-Festival 2022: Vier Religionen rufen zusammen zum Frieden auf​

Home.Alpen-Festival 2022 : Vier Religionen rufen zusammen zum Frieden auf

Das Home.Alpen-Festival ging am Sonntag mit einem Gottesdienst weiter. Vier Weltreligionen waren daran beteiligt. Vor allem ein Weltkriegsüberlebender fand berührende Worte.

Mit einem Friedensfest klang das Home.Alpen-Festival am Sonntag aus. Noch einmal hatte sich der bunte Chor auf der Bühne versammelt, deutete mit dem Titel „Wir suchen Frieden“ stimmgewaltig an, worum es an diesem Sonntag geht. Vertreter von vier Glaubensrichtungen widmeten sich persönlich oder mit einer Botschaft an die rund 200 Besucher. Dazu brachten Pfadfinder das Friedenslicht auf die Bühne.

Frieden sei nicht umsonst, er koste Überwindung, Zugeständnisse und Kompromissbereitschaft, erklärte Pfarrer Hartmut Becks und riet: „Man muss über seinen Schatten springen und Fremdheit aushalten.“ Staatssekretär Daniel Sieveke, der für die erkrankte Heimatministerin Ina Scharrenbach nach Alpen gekommen war, ließ sich bei seinem Rezept für Frieden vom Chor beeinflussen: „Einfach der tollen Musik zuhören, das Herz sprechen lassen und dem Nachbarn zuhören. Vielleicht macht es das aus in einer Zeit, die einfach nur bescheuert ist.“

Ähnlich äußerte sich Sieveke auch auf die Frage, was Heimat bedeutet: „Heimat ist da, wo Menschen sich aufmachen und anderen zuhören.“ Friede beginne gleich nebenan, diese These vertrat auch der Rheinberger Imame Talha Dogan: „Wenn du Streit mit einem Nachbarn hast, gehe zu ihm und bring ihm einen Kuchen. Dann wirst du sehen, wie das Herz schmilzt.“

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Erwin Neizert hat nicht nur Frieden erlebt. In berührenden Sätzen erzählte der 95-jährige Alpener von seinen Erfahrungen im Krieg: „Der Führer befahl und ich folgte. Aber wohin? Wir lebten in einer entmenschlichten Welt.“ Seine persönliche Aufarbeitung rührte viele zu Tränen: „Ich besuche regelmäßig den englischen Friedhof und lege Rosen auf die Gräber der Soldaten, die wir damals getötet haben. Wenn ich dann sehe, dass viele heute in meinem Alter wären, bin ich dankbar, dass ich weiterleben durfte.“

Im Anschluss las Patrick Depuhl eine Botschaft des verhinderten Rabbi Mendel Wagner vor: „In Noahs Arche hat kein Tier das andere gefressen. Alle waren von der Existenz bedroht. Auch heute ist die Menschheit bedroht, es gibt Armut, Krankheiten oder die Angst vor einem Atomkrieg. Wir müssen begreifen, unsere Feinde gemeinsam zu bekämpfen.“

Pfarrer Dietmar Heshe erklärte, dass man seinen Feind nicht unbedingt lieben müsse, sondern es vielmehr darum gehe, die Gewaltspirale zu unterbrechen. Das funktioniere am besten, wenn man aufeinander zugeht. „Echte Stärke zeigt sich, wenn man den Nächsten annimmt, auch wenn er anders denkt“, so Heshe.

(erko)