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Hömma – das ganze Leben passt in ein Wort

Kabarettabend mit Kai Magnus Sting in Rheinberg : Hömma – das ganze Leben passt in ein Wort

Der Duisburger Komiker Kai Magnus Sting philosophierte im Schwarzen Adler über die Menschen in der Region und deren Sprache. Es gab viel zu lachen.

Am Ende dieses wunderbaren Abends im ausverkauften Schwarzen Adler saßen 120 Frauen und Männer auf ihren Klappstühlen und wischten sich die feucht gelachten Augen trocken. Da kam Kai Magnus Sting, dieser so herzerfrischende Komiker aus Duisburg, noch einmal auf die Bühne zurück und man sah an seinem strahlenden Gesicht, dass das auch für ihn ein besonderer Auftritt gewesen war. „Was wir hier heute gemeinsam hatten, das kann Ihnen kein Netflix und kein Amazon Prime bieten“, sagte Sting. „Das war unser Abend.“ Der Applaus bricht noch einmal los ob dieser Liebeserklärung an die Live-und-in-Farbe-Unterhaltung.

Und dann nimmt Sting eine kleine Spieluhr aus der Tasche, lässt sie das Steigerlied spielen und seine Zuhörer leise mitsingen: Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt... Das war seine Art, seine Liebe zur Heimat zu bekunden. Deutlich sagte er, dass wir nicht vergessen sollten, auch anderen eine Heimat zu geben. Da gab es nochmals lang anhaltenden Applaus.

Während des Programms waren die Zuhörer kaum zum Klatschen gekommen. In einem Affentempo redete sich Kai Magnus Sting in Rage. Er ist der Typ: etwas rundlich, ein wenig bieder, äußerst freundlich, lacht gern selbst mit, wenn sich das Publikum über seine Beiträge vor Lachen krümelt. In einer Art Turbo-Plauderton philosophierte er über die verschlungenen Kommunikationswege der Menschen im Ruhrgebiet und am Niederrhein. Lange Ausführungen? Fehlanzeige. Komplizierte Ansagen: Gibbet nich! Die Menschen in der Region ziehen Worte auf maximal zwei Silben zusammen, bis am Ende Vielsagendes dabei herauskommt. Hömma oder Willze-Kannze-Möchtze-Sollze. Und natürlich die Begrüßungsrituale: Wie isset? Muss! Und selbs?

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Sting erzählt von „Omma“ und deren Weisheiten wie „Dat hätt‘ ich dir vorher sagen können!“ „Hatt se aber nich“, regt sich Sting auf und landet schnell beim Thema Essen. Mon Chérie? Bah! After Eight? Igitt! Lieber doppelt Currywurst mit Pommes und kiloweise Mayo drauf!

Das Ganze gipfelt schließlich in einer Geschichte, die sich nachts um halb drei vor der Haustür der Stings abgespielt haben soll. Die Nachbarn verabschieden ihre Gäste, das Auto knattert, es wird über ein Nudelsalat-Rezept gesprochen, bis sich nach und nach die Fenster in der Nachbarschaft öffnen und die Anwohner ihren Senf dazu geben. Herrlich.

„Sowat gibbet nur hier“, garantiert Kai Magnus Sting. Und entlässt 120 Menschen in den Feierabend. Sie gehen in der Überzeugung, vielleicht nicht in der schönsten, aber in der lebenswertesten Region der Welt zu leben.

(up)