Rheinberg Höchste Eisenbahn für die Wagenbauer

Rheinberg · Die Session ist kurz. Am 11. Februar zieht bereits der Rosenmontagszug durch die Rheinberger Straßen. In der Halle der Rhinberkse Jonges herrscht deshalb Hochbetrieb. Noch können sich Gruppen melden, die mitziehen wollen.

 Ein Zug braucht eine Lok – und einen Zugleiter: In Rheinberg heißt der Markus Geßmann (M.), der auf das Geschick der Wagenbaumeister Dieter Knop (l.) Hubert von Thenen jun. in der Wagenbauhalle der Jonges vertrauen kann.

Ein Zug braucht eine Lok – und einen Zugleiter: In Rheinberg heißt der Markus Geßmann (M.), der auf das Geschick der Wagenbaumeister Dieter Knop (l.) Hubert von Thenen jun. in der Wagenbauhalle der Jonges vertrauen kann.

Foto: Armin Fischer

Wer im Rosenmontagszug den richtigen Akzent setzen will, muss schweres Gerät ebenso im Griff haben wie die ganz feinen Malerpinsel — und da zeigen sich die Männer, die die Motivwagen der "Rhinberkse Jonges" gestalten, auch in dieser Session wieder als echte Könner. Gleich nach der Prinzenwahl im November haben sie mit ihrer Arbeit begonnen. Mittwochs und samstags. Seit dem Jahreswechsel wird montags eine Zusatzschicht eingeschoben. Die Session ist sehr kurz. Die Wagenbauer müssen sich sputen.

Gut, dass sie dafür ihr eigenes Reich haben: "Die Entscheidung, unsere Wagenbauhalle zu bauen, ist Gold wert", sagt Markus Geßmann. Er ist Rosenmontagzug-Leiter und hält nun gemeinsam mit Wagenbaumeister Dieter Knop und dessen 1. Stellvertreter Hubert von Thenen junior die Vorbereitungen auf Kurs.

Vieles ist schon geschafft. Nicht nur bei den Wagen der Jonges: "Kolping ist schon 'raus", sagt Hallenmeister Bernd Dormann. Auch andere haben ihre Wagen schon fertig und in Hallen der Messe Niederrhein oder in eine Spedition im Gewerbegebiet ausgelagert: die Nachbarschaften Vallan beispielsweise, XAKAKA, Mühlenhof, auch die Bürgerschützen.

Zurzeit arbeiten die Jonges an einem Motivwagen, der die kostenträchtige Straßensanierung im Stadtkern auf die Schippe nimmt. Daneben wird liebevoll am Prinzenwagen gearbeitet. Das Motiv darf sich die Tollität traditionsgemäß selbst aussuchen. Worauf sich die zehntausende Zug-Besucher freuen dürfen — wird hier natürlich noch nicht verraten.

Vieles wird ganz aktuell gefertigt. Aus Holz, Metall, Gips, Kleister und alten Zeitungen. In der Halle steht aber auch noch Brauchbares aus früheren Zügen. Große Figuren beispielsweise, die durch andere Farbe ganz neue Charaktere bekommen könnten. Oder die bei Bedarf rasch neue Beine bekommen und dann im Schneidersitz thronen. Gut, dass bei den Jonges so viele Handwerksberufe vertreten sind.

Nicht bei jedem Wagen ist so grundlegende Aufbauarbeit nötig wie bei dem, den die Karnevalisten bei einem Landwirt ergatterten und der nun ganz am Eingang der Halle steht. Er wird für die Traditionsgruppe Berkas fertig gemacht. Holzplanken sind bereits aufs Chassis gelegt, nun wird die Absturzsicherung ringsum montiert. Eine schwere Flex ist im Einsatz, ein Schweißgerät. Es muss halten.

Auch ansonsten gelten beim Rosenmontagszug klare Regeln. Zugleiter Markus Geßmann: "Wir hatten schon früher freiwillig hohe Sicherheitsstandards." In gemeinsamen Beratungen mit Polizei und Stadt Rheinberg wurden die aktuellsten Vorschriften in das Regelwerk eingearbeitet. Dass sich alle daran halten, kontrollieren die Jonges bei Besuchen überall da in der Stadt, wo Vereine, Nachbarschaften und Freundeskreise Wagen für den Zug bauen. Das Regelwerk definiert beispielsweise deren maximalen Dimensionen, fordert eine ebene, tritt- und rutschfeste Ladefläche, für jeden Sitz- und Stehplatz eine ausreichende Sicherung. Die Seitenverkleidung soll verhindern, dass Kinder darunter kriechen können; und es muss eigenes Personal gestellt werden, um Zugfahrzeuge und Wagen während des gesamten Zuges abzusichern. Das und all die anderen Regeln haben die Rhinberkse Jonges in einem dreiseitigen Merkblatt zusammengefasst.

(RP/rl)
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