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Heimatpreis für Flüchtlingshilfe Alpen: Ministerin Scharrenbach war vor Ort

Alpen : Musik mit viel Gefühl, die Heimat schafft

Eine bewegende Feier zur Verleihung des Heimatpreises NRW für das Projekt Home.Alpenmusik. Ministerin Ina Scharrenbach dankte allen für das „wunderbare Engagement“. Johannes „Chang“ Schmitz (84) fand anrührende Worte.

Ansteckende Lebensfreude, Musik zum Mitklatschen und verbindende Solidarität – alles, was das Projekt „Home.Alpenmusik“ ausmacht, wurde am Donnerstagmorgen bei der Verleihung des Heimatpreises NRW durch Ministerin Ina Scharrenbach im Lesegarten am Rathaus erlebbar. Bei strahlendem Sonnenschein saßen Teilnehmer des Projekts in den Rathausfenstern und auf den Stufen im Lesegarten. Mitinitiatorin Judy Bailey animierte, flankiert vom Menzelener Musikverein, auf der winzigen Bühne zu Beginn mit „Build a bridge“ das Publikum, sich im Takt zu bewegen.

Später sang das erst 15-jährige syrische Mädchen Sidra „So viel von was ich bin“ mit Männerchor-Unterstützung. Alle gemeinsam intonierten „Everybody’s got something“. Sidras Mutter Seham dankte allen für das Projekt, bei dem sie „viele Freunde gefunden“ hatte. Der 27-jährige Tatschike Malloev beschrieb, wie er sich nach fünf Jahren in Alpen fühlt: „Jetzt will ich nicht mehr umziehen.“ Dazwischen war das Video vom Chorprojekt zu sehen.

Patrick Depuhl ließ als ehemaliger Vorsitzender der Flüchtlingshilfe die Entwicklung vom ersten Begegnungsfest im Rathaus 2014 bis zum Gospelchor-Workshop mit sieben Alpener Gruppen und 253 Aktiven aus 14 Nationen im Alter von sieben bis 84 Jahren, den beiden Konzerten im Agro-Forum von Lemken, dem WDR-5-Konzert in der evangelischen Kirche und dem Erlebnis auf dem Dortmunder Kirchentag Revue passieren.

Die Arbeit der Flüchtlingshilfe und das Projekt „Home.Alpenmusik“ hätten dazu beigetragen, die Angekommenden beim „Reinkommen ins Dorf“ zu unterstützen. Aus Flüchtlingen seien „Nachbarn, Freunde, Brüder und Schwestern“ geworden. „Wir bauen Heimat – einen Ort, wo man Hilfe bekommt und mithelfen darf, der nie perfekt ist, aber der mit Gelassenheit und Liebe zu gestalten ist“, so Depuhl. Bürgermeister Thomas Ahls sprach von „einem besonderen Gefühl“, das das Projekt und die Auszeichnung ausgelöst hätten: eine „Inspiration für die Gemeinde“. Als Mitsänger habe er in 25 Jahren, in denen ich aktiv Musik mache, „so was noch nicht erlebt“. Bei Sidras Lied seien bei ihm damals „viele Tränen geflossen“. Landrat Ansgar Müller zitierte Hermann Hesse: „Wo befreundete Wege zusammenlaufen, sieht die ganze Welt für eine Stunde wie Heimat aus.“ Das Projekt sei „ein tolles Vorbild für Alpen und den ganzes Kreis Wesel“. Müller fand, dass es eigentlich der erste Preis hätte sein müssen.

Ministerin Scharrenbach dankte allen für ihr „wunderbares Engagement“. Bei der Auswahl der drei besten Projekte unter den teilnehmen Kommunen sei es knapp gewesen, erklärte sie. Eigentlich sei jeder der drei auf dem Podium ein Sieger. Sie stünden dafür, „dass es „normal ist, Mensch zu sein“, unabhängig von Hautfarbe, Religion, Alter und Geschlecht. „Ein Ton allein macht kein Orchester und keinen Chor, ein Mensch allein keine Gesellschaft“, so die Ministerin. Das funktioniere nur, wenn alles so zusammenkomme wie bei Home.Alpenmusik, wo Heimat „mit viel Musik, die verbindet, gestaltet wird“, sagte die Ministerin.

Der 84 Jahre alte Johannes „Chang“ Schmitz erzählte als ältester Teilnehmer bei der Preisübergabe, dass er noch „hüpfen, tanzen, singen“ kann. Er habe an den menschlichen Texten von Judy Bailey große Freude. „Die Texte tragen mich bis an mein Lebensende“. Die Feier endete mit dem Song „Home“ – ein Gefühl in vielen Sprachen.