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Alpen: Glühlampen lieferten Scheinwerferlicht

Alpen : Glühlampen lieferten Scheinwerferlicht

Das Laienspiel Alpen betritt am Sonntag wieder die Bühne - 40 Jahre nach der Premiere in der Grundschulaula.

"Der doppelte Moritz" hat die Schauspiel-Truppe einst schier in die Verzweiflung getrieben. Am Ende hat er sie in die Knie gezwungen. Sie haben kapituliert. Das Stück wurde abgesetzt. Das ist eine kleine Ewigkeit her, 36 Jahre genau. Ein einmaliger Ausfall. 1991 hat das Alpener Laienspiel das muntere Stück noch mal auf den Spielplan gesetzt. Diesmal mit Erfolg. 40 Jahre nach der Premiere bringt das Ensemble die Komödie voller Irrungen und Wirrungen um Zwillingsbrüder an der Firmenspitze, die unterschiedlicher nicht sein können, erneut auf die Bühne. Sonntag, 15. März, 17 Uhr, hebt sich im Schulzentrum der Vorhang.

In der Rolle des Sekretärs: Hans-Jörg Theussen. Den hat der Gründervater der Theatergruppe von KAB St. Ulrich entdeckt, der als Einziger noch an Bord ist: Walter Kühn (71) hatte seinen Schüler im "Gespenst von Canterville" fürs Theaterspiel begeistert. Theussen ist nicht der einzige Schüler, den Lehrer Kühn auf die Bretter geholt hat, die die Welt bedeuten.

Pädagoge Kühn hat Mitte der 70er Jahre auf Bitte des KAB-Vorsitzenden Karl-Heinz Teberath die Laienspielgruppe ins Leben gerufen. Er hatte schon immer ein Faible fürs unterhaltsame Schauspiel - erst als Pfadfinder bei den Fez-Abenden am Lagerfeuer, später als junger Lehrer zur Auflockerung von Elternabenden. Und er hat Theater in der Schule immer für pädagogisch wertvoll erachtet. Lehrer Kühn hat mal mit Schülern den kompletten "Hauptmann von Köpenick" einstudiert.

Die anfangs 15 Mimen starke Laienspielschar ging zunächst in der kleinen Aula der Grundschule Alpen fast schüchtern an den Start - mit zwei kleinen Stücken statt eines großen: "Lehrstelle gesucht" und "Computerballade". Ein Jahr später ging's in die Turnhalle. Ehe sich der Vorhang hob, musste die Truppe Teppichboden ausrollen und Stühle schleppen. Schülertische bildeten den Unterbau für die Bühne, die fest eingespannt waren in einen Holzrahmen, den die Firma Norgren sonst für ihren Ausstellungsstand nutzte. "Gestützt wurde die Konstruktion von Turnbarren", erinnert sich Walter Kühn: "Abenteuerlich!" Der Spielfläche war so knapp bemessen, dass beim forschen Gang aus der Tür der Absturz drohte. Bei den Proben für "Pension Schöller" 1978 wurde Birgit Aldenhoff von ihrem Mann aufgefangen.

Bei der Aufführung trugen die Laienschauspieler Profi-Gewänder aus dem Fundus des Theaters in Krefeld. "Nicht alle aber haben reingepasst", verrät Kühn. Als Scheinwerfer dienten Glühbirnen mit 250 Watt, eingebaut in Reflektoren für Autoleuchten, "um eine Streuung zu erreichen", so Kühn. Improvisationskunst war ebenso wichtig wie darstellerisches Talent.

Der Umzug ins Schulzentrum bedeutete einen "technischen Quantensprung" mit einer richtigen Bühne und professioneller Beleuchtung. Trotzdem ging "Der doppelte Moritz" baden. Im Sommer, wenn nicht geprobt werden musste, wurden die Elemente fürs Bühnenbild gezimmert. Rollenverteilung: "Die Männer bauen, die Frauen bringen das Essen."

Pannen gab's in all den Jahren wenige. Nur im Stück "Der ungewaschene Bräutigam" hatte ein Akteur mal einen "totalen Blackout". Über Text-Blockaden ist die Truppe stets locker drüber gehüpft in den 40 Jahren. Das Ensemble ist im ständigen Wandel: "Einige sind in die Politik abgewandert", erzählt der rüstige Regisseur und schmunzelt. Er aber denkt noch nicht ans Aufhören. "So lange ich noch fit bin, mache ich weiter Theater."

Aufführungen Sonntag, 15. und 22. März, 17 Uhr, Schulzentrum, Karten für acht Euro (Kinder vier Euro) bei Ihr Platz, Abendkasse neun (4,50 Euro)

(RP)