Geschichtsfreunde stellen Info-Tafel an der Kirche St. Nikolaus Veen auf

Kirchengeschichte in Veen : Mit dem Milchpfennig die Kirche wieder aufgebaut

Der Verein Haus der Geschichte hat vor St. Nikolaus eine Info-Tafel errichtet. Das Gotteshaus ist nach dem Krieg auferstanden aus Ruinen.

Dass der Turm der Kirche St. Nikolaus mal eine hohe Spitzhaube getragen hat, wissen nur noch wenige aus eigener Anschauung. Damit das Wissen darüber nicht verloren geht, hat der Verein Haus der Geschichte an der Kirche eine weitere Info-Tafel aufgestellt, die die Erinnerung an ein altes markantes Gebäude wach hält, das den Ort in besonderer Weise geprägt hat und noch immer prägt. So gerät auch die Geschichte des alten, stark landwirtschaftlich geprägten Krähendorfes nicht in Vergessenheit, sondern begegnet einem immer wieder beim Gang durch den Ort. Der hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten stark verändert. Das gilt auch für die Kirche St. Nikolaus, auch wenn sie weiter mitten im Dorf steht.

Die Info-Tafel, die Jürgen Zenker, Hans-Jakob Landscheidt, Heinrich Henrichs und Wilfried Fürtjes jetzt an der Kirche aufgestellt haben, informiert über das Gotteshaus von der ersten Keimzelle im elften Jahrhundert bis zur Vollendung des Wiederaufbaus in den 50er Jahren. Die Kirche war in den letzten Kriegstagen schwer beschädigt worden und trotzte nur noch als Ruine dem Untergang. Daraus aber ist die Kirche auferstanden, auch wenn dem Turm bis heute die stolze Haube fehlt.

Diese Aufnahme von 1933 zeigt die Kirche St. Nikolaus in Veen noch mit der ursprünglichen Spitzhaube auf dem Turm. Foto: Haus der Veener Geschichte

Doch an die beschieferte Pyramide auf dem Turm hat man sich gewöhnt. Die Veener empfinden sie nicht als Verlust, sondern eher als Grund, stolz darauf zu sein. Das bringt die Tafel selbstbewusst zum Ausdruck: „Das Provisorium macht heute die Veener Dorfansicht unverwechselbar.“ Auf der Veener Skyline nimmt die Kirche St. Nikolaus wie selbstverständlich ihren markanten Platz ein.

Die Spuren führen, so ist’s der Info-Tafel zu entnehmen, ins 11./12. Jahrhundert zurück. Archäologen hätten an der Stelle des heutigen Chorraums Relikte einer ersten kleinen Kapelle entdeckt. Sie wird einer Familie zugeschrieben, die auf der „Burg von Veen“ ihren Sitz gehabt habe. Die Kapelle sei von einem Friedhof umgeben gewesen.

St. Nikolaus ist in den letzten Kriegstagen von deutschen Soldaten gesprengt worden. Foto: Haus der Veener Geschichte

Dann werden die Zeitangaben präziser. 1232 wird Veen selbstständige Pfarrei. Kurze Zeit später sei der Kirchsaal verbreitert worden – auf sechs Meter. Es folgt der Ausbau des Chorraums der Kapelle. In der Zeit sei auch das Fundament für den Altar gelegt worden sein.

Mitte des 15. Jahrhundert wird in Veen eine neue große Kirche gebaut. Das Werk ist nach 13 Jahren vollendet: Entstanden ist eine 32,40 Meter lange Stufenhallenkirche aus Ziegelstein, spätgotisch mit drei Schiffen, einem Netzgewölbe und einem mächtigen Westturm. Ein paar Jahrzehnte später wird das neue Gotteshaus mit für den Niederrhein typischen Schnitzwerken und Malerei ausgeschmückt.

Der Kirchturm hat nach dem Wiederaufbau ein flaches Pyramidendach bekommen – provisorisch. Foto: Haus der Veener Geschichte

1572 taucht zum ersten Mal der Name St. Nicolai für die Kirche auf. Ein altes Deckenfresko im Seitenschiff zeigt die heilige Barbara, die als „Nebenpatronin“ von St. Nikolaus gilt. 1632 gibt die Kirchengemeinde zwei neue Glocken in Auftrag: Die Anna- und die Marienglocke werden vor Ort gegossen und läuten immer noch. 1717 richtet ein heftiger Sturm erhebliche Schäden am Turm an, der unter der windigen Last offensichtlich Opfer konstruktiver Mängel geworden war. „Der Turm hatte eine schiefe Haube“, heißt es so nüchtern wie schonungslos auf der Tafel.

1873 beschließen Kirchenvorstand und Pastor, den Friedhof zum Halfmannsfeld zu verlegen. In der Zeit fällt auch die Erneuerung des Gotteshauses und seiner Innenausstattung im Stile der Neugotik. 1906 wird eine Sakristei angebaut, sechs Jahre später fließt erstmals Strom in St. Nikolaus, die bis dahin nur von Kerzenlicht erleuchtet wurde.

Am 7. März 1945 erlebt die Kirche ihre bis heute dunkelste Stunde. Deutsche Fallschirmjäger auf dem Rückzug sprengen das Gotteshaus und lassen eine Ruine zurück. Die Turmhaube stürzt ein, vom nördlichen Seitenschiff bleibt kein Stein auf dem anderen.

Zur dringend erforderlichen Sicherung des Westturms bekommt dieser ein flaches Pyramidendach aus Schiefer. Das wird schließlich zur Dauerlösung. 1951 wird die wieder aufgebaute Kirche St. Nikolaus eingeweiht – allerdings zunächst noch ohne das zerstörte Seitenschiff. Vollendet wird der Wiederaufbau des Gotteshauses am 14. August 1953. Bezahlt wurde die Auferstehung aus Ruinen übrigens über einen sogenannten „Milchpfennig“.