Rheinberg: Genug Strom für alle

Rheinberg: Genug Strom für alle

Das geplante Strömungskraftwerk am Rheinufer bei Orsoy sei weitaus mehr als Liebhaberei, sagt Projektmanager Ollendiek. Die gewonnene Energie reiche aus, um alle Privathaushalte in Rheinberg zu versorgen.

Als Projektmanager Hartmut Ollendiek gemeinsam mit Udo Bonn im Umweltausschuss das Konzept eines Strömungskraftwerks am Rheinufer bei Orsoy vorstellte, war die Politik von dem Projekt erkennbar angetan (RP v. 14. Juni). Eine Frage blieb allerdings zumindest für technische Laien ohne nachvollziehbare Antwort: Wie lässt sich die von den Betreibern auf 11,2 MW berechnete Stromernte der beiden Pontons einordnen? Als echte Alternative zur konventionellen Energieerzeugung? Oder doch eher Liebhaberei?

Mit Zahlen klar zu belegen

Wer letzteres annehme, liege absolut falsch, unterstrich Hartmut Ollendiek nun auf Nachfrage der Rheinischen Post. Das lasse sich mit Zahlen klar belegen: Die privaten Haushalte in Rheinberg verbrauchten pro Jahr rund 3 MW Strom. Diesen Bedarf könne das geplante Strömungskraftwerk also ganz sicher decken. Und zwar "grundlastfähig", also rund um die Uhr. Denn der Rhein macht keine Pause.

Warum diese buchstäblich naheliegende Energiequelle nicht längst angezapft wurde, hat nach Ollendieks Einschätzung wohl wirtschaftshistorische Gründe: Im Zuge der Industriealisierung wurden andere Akzente gesetzt. Es wurde Dampf aus Kohle erzeugt, es wurden Gas eingesetzt und Öl. "Mit der Wasserenergie hat man sich 150 Jahre lang gar nicht beschäftigt —außer wenn es um große Stauwehre ging", so Ollendiek. Fließgewässer habe niemand im Fokus gehabt. Er selbst habe bereits 2010 genau für diesen Einsatzort eine kleinere Strömungsturbine entwickelt — dieses Konzept allerdings alsbald wieder in die Schublade gelegt. Der Photovoltaik-Boom war ein deutlich dominierender Trend.

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Doch mittlerweile habe ein Wandel eingesetzt, erkennbar auch in den Themensetzungen bei der Münsterländischen Initiative ZukunftsLand Regionale 2016. Hartmut Ollendiek: "Ich habe meine Pläne wieder hervorgeholt", und bei einer Internetrecherche sei er auf den Orsoyer Udo Bonn gestoßen, der in gleicher Mission unterwegs war — und einen optimalen Standort parat hatte: Am Orsoyer Rheinufer lässt sich nämlich vorhandene Infrastruktur nutzen, um die dezentral im Rhein gewonnenen Energie ins Stromleitungsnetz einzuspeisen: über eine Trafostation im NIAG-Hafen. Nach dem im Ausschuss vorgestellten Zeitplan soll der erste Ponton möglichst zum Jahresende vor Orsoy liegen.

Schon früher in Betrieb?

Geht alles gut, werden die ersten Strömungsturbinen allerdings schon deutlich früher in Betrieb gehen — nämlich in Pakistan. Hartmut Ollendiek: "Es stehen noch ein, zwei Testreihen aus. Dann können wir mehr zu den Plänen sagen." Dabei wird es um die Stromversorgung in einer Region gehen, die nach der Flutkatastrophe 2010 ohne Energie ist. Auch aus Bangladesh, einem Land mit großen Flüssen, hätten sich bereits Interessenten an dieser Technik gemeldet.

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(RP)
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