Rheinberg: Gegenwind für Verdi aus Amazon-Belegschaft

Rheinberg : Gegenwind für Verdi aus Amazon-Belegschaft

Mitarbeiter in Leipzig und Bad Hersfeld distanzieren sich von Gewerkschaftszielen und -argumenten.

Im Kampf um einen Tarifvertrag bei Amazon will Verdi den Druck auf den Online-Versender erhöhen und dabei den Arbeitskampf in absehbarer Zeit bundesweit ausdehnen. Der Name Rheinberg ist in diesem Zusammenhang noch nicht gefallen, allerdings "wird das über kurz oder lang auch bei uns ein Thema werden", erwartet Tim Schmidt, der im Logistikzentrum dort Betriebsratsvorsitzender ist: "Wir müssen jetzt auf jeden Fall aufpassen, dass sich die Belegschaft nicht untereinander bekriegt".

Foto: dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Das liegt Schmidt nicht zuletzt vor dem Grund einer Entwicklung am Herzen, über die gestern die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete: Demnach hätten 1018 Mitarbeiter an den Amazon-Standorten Leipzig und Bad Hersfeld bereits Ende Dezember in einer Unterschriftenaktion darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich "distanzieren von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen der Verdi, die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über uns verbreitet werden."

Die Mitarbeiter betonten in der Aktion, dass das von der Gewerkschaft erweckte "negative öffentliche Bild" sie "bis ins Privatleben" verfolge. Verdis Darstellungen entsprächen "nicht der Realität und nicht unserem täglichen Arbeitsleben." Das zeigt die Kraft des Gegenwindes, der Verdi in Leipzig und in Bad Hersfeld entgegenweht: An beiden Standorten hätten ihn mehr Mitarbeiter unterschrieben als sich zuletzt an den Vorweihnachtsstreiks beteiligten. Das seien nach Verdi-Angaben am letzten Streiktag rund 650 Mitarbeiter gewesen.

Tim Schmidt — übrigens selbst bei Verdi engagiert — erläuterte gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post, an allen Amazon-Standorten gebe es nach seinem Eindruck innerhalb der Belegschaft sowohl pro als auch kontra zu den Argumenten und zum Weg, den Verdi wähle. Das sollte Amazon allerdings nicht zu der Fehleinschätzung verleiten, dass Verdi das Ziel, die Tarifsituation der Mitarbeiter zu verbessern, "kampflos das Feld räumt".

(RP)
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