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Rheinberg: Ganz entspannt: Boule statt Fußball

Rheinberg : Ganz entspannt: Boule statt Fußball

Die Volkshochschule bot einen Kurs in ihrem Sommerprogramm an. Die Kugeln rollten auf dem Amplonius-Schulhof.

Das war schon kurios: Alle Welt redet von der Fußball-WM und wir spielen Boule. Ganz entspannt an einem sonnigen Nachmittag auf dem Schulhof des Amplonius-Gymnasiums. Anders als in Brasilien rollen bei uns keine Fifa-Bälle, sondern Stahlkugeln, statt hitziger WM-Matches auf dem Rasen von Maracana legen wir coole Partien auf Schotterboden hin, so wie die Franzosen das seit ewigen Zeiten tun. Dem Sommerprogramm der Volkshochschule sei dank. Eine schöne Sache.

Neun Frauen und Männer machen mit bei diesem Kurs. Und haben viel Freude. Auch deshalb, weil es kühlen Wein, Baguette und Käse gibt. Zwei Teilnehmer sorgten für diese kulinarische Begleitung. Wer gerne Boule spielt, genießt auch französisches Flair. Kurs-Leiter ist Heino Pesch aus Krefeld-Hüls. Seit zehn Jahren lässt er die Kugeln rollen und gibt sein Wissen und seine Kenntnisse über das Spiel, das auch Pétanque genannt wird, gerne weiter. Um in zwei Gruppen spielen zu können, hat Heino Pesch seinen Sohn Kevin mitgebracht. Auch er erweist sich als Könner.

 Nach häufigem Gebrauch glänzen manche Kugeln nicht mehr. Die kleine Kugel vorne ist das Schweinchen.
Nach häufigem Gebrauch glänzen manche Kugeln nicht mehr. Die kleine Kugel vorne ist das Schweinchen. Foto: NN
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Spielen kann man eins gegen eins (Tête-à-Tête), zwei gegen zwei (Doublette) oder drei gegen drei (Triplette). Heino Pesch markiert einen Kreis, von dem aus man die kleine Holzkugel, Schweinchen oder Sau genannt, abwirft. 35 bis 50 Zentimeter darf der Durchmesser betragen. Sechs bis zehn Meter weit muss die kleine Sau vom Kreis entfernt liegen. Dann geht es darum, die Stahlkugeln so nah wie möglich an dieses kleine Ding heran zu manövrieren. Einer wirft eine Kugel, einer aus der anderen Mannschaft versucht danach, besser zu sein und bleibt so lange an der Reihe, bis dieses Unterfangen gelingt oder bis man keine Kugeln mehr hat.

Hört sich einfacher an alles es ist, stelle ich schnell fest. Verflixt, das darf doch nicht wahr sein! Da hatte ich so genau gezielt, und diese doofe Kugel driftet voll nach rechts ab. Die nächste dann nach links. Immerhin lerne ich von Heino Pesch, dass die Kugeln 650 bis 800 Gramm schwer sein dürfen, dass es gegossene aus einem Stück gibt und andere, die aus zwei Hälften bestehen.

 Auch die richtige Grifftechnik kann entscheidend sein.
Auch die richtige Grifftechnik kann entscheidend sein. Foto: NN

Meine (ich habe sie mal in einem Discountermarkt gekauft) zieht es nur selten in die Nähe des Schweinchens. Ellen Doller ist da weit aus geschickter. Die Rheinbergerin nimmt Maß, wirft - und legt ihre Kugeln oft ganz souverän direkt an die Minikugel. So sammelt sie einen Punkt nach dem anderen. Leider spiele ich nicht in ihrem Team. Immerhin gesteht die sympathische Senioren: "Ich habe schön öfter bei diesem Kurs mitgemacht."

Eine Partie ist beendet, wenn ein Team 13 Punkte hat. Am Ende sind meine Frau und ich weit abgeschlagen. Klar verloren. Aber glücklicherweise 2:13 und nicht 0:13. Wer 0:13 verkimmelt, so klärt Heino Pesch auf, muss nach strenger Regelauslegung "Fanny küssen", wie Petanque-Experten das nennen. Und zwar auf den nackten Hintern. Diese Regel geht auf ein Mädchen aus Lyon zurück, das der Legende nach den Boule-Verlierern sein blankes Hinterteil hingehalten haben soll.

Auch wegen der netten Gesellschaft hat sich der VHS-Kurs gelohnt. Schnell steht für mich fest: Nächstes Jahr wieder!

(RP)