Rheinberg: Für Taxi-Kunden gibt's heute einen Piccolo

Rheinberg: Für Taxi-Kunden gibt's heute einen Piccolo

Vor 50 Jahren startete Taxi Gardemann mit einem Mercedes Benz 220 D seine Jungfernfahrt. Heute wird in der Zentrale an der Orsoyer Straße 23 gefeiert. Das Transportgeschäft hat sich stark gewandelt.

Eine Pferdestärke reichte nicht mehr aus, als sich der Rheinberger Pferdehändler Hans Gardemann entschied, ein Taxiunternehmen zu gründen: Mit einem Mercedes-Benz 200 D mit Heckflosse beförderte er 1968 seinen ersten Fahrgast. Das ist mittlerweile ein halbes Jahrhundert her. Heute wird "Taxi Service Gardemann" bereits in dritter Generation von Enkel Jens Gardemann geleitet.

Seit 1999 sitzt der 40-Jährige offiziell am Steuer des Betriebs, den er bis 2011 gemeinsam mit Vater Lothar als GbR geführt hatte. Der wiederum hatte den Betrieb zuvor bis 1978 gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Gerd, später dann alleine geführt. Das halbe Jahrhundert in der Personenbeförderung wird natürlich gefeiert. Für Fahrgäste gibt es heute einen Piccolo, in der Zentrale an der Orsoyer Straße 23 wird am Vormittag zum kleinen Imbiss geladen.

30 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit zählen derzeit zum Team. Viele davon gehören schon seit mehr als zehn Jahren dazu. Keine Frage: Chef Jens Gardemann setzt auf Kontinuität. "Gute, langjährige Mitarbeiter sind neben sicheren und gepflegten Fahrzeugen die Visitenkarte unseres Betriebes", ist er überzeugt.

Wie Rosi Nossack zum Beispiel. Seit 40 Jahren ist sie die Stimme am Taxifunk, eine Konstante für Kunden und Mitarbeiter. Und sie kann sicher so manches Döneken erzählen. Ebenso wie Hamit Mernitca, Christel Tenge und Ralf Maas.

"Vor vielen Jahren haben wir mal einen Bankräuber befördert", berichtet Jens Gardemann von Erzählungen seines Vaters. Zunächst sei der Räuber ein ganz normaler Fahrgast gewesen. Doch weil er mit einigen Münzrollen einen Teil seiner Beute im Taxi vergessen hatte, flog die Sache auf.

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Auch Prominenz hat "Taxi Gardemann" transportiert. So hieß es unter anderem für Rennfahrer Ralf Schumacher, Moderatorin und Comedian Hella von Sinnen sowie für Fernsehkoch Christian Rach - "Bitte einsteigen".

Doch der VIP-Shuttle ist nicht der Alltag bei Taxi Gardemann. Die neun Fahrzeuge, darunter spezielle Rollstuhl- und Kleinbusse, sind hauptsächlich für Kranken- und Firmenfahrten im Einsatz. "Das macht mittlerweile unser Kerngeschäft aus. Zudem bedienen wir eine feste Linie für die Niag", so Jens Gardemann. Der "klassische Kneipengast" hingegen ist heute kaum noch Kunde. Nicht zuletzt das Kneipensterben und das geänderte Freizeitverhalten hätten dazu beigetragen, dass sich das Geschäft geändert hat.

Dennoch blickt der gelernte Industriemechaniker, der das Taxigeschäft eigentlich nie übernehmen wollte, zuversichtlich in die Zukunft. Online-Taxivermittler wie Uber oder myTaxi sieht er in der ländlichen Region aktuell nicht als Konkurrenz. "In unseren Kernbereichen Kranken- und Unternehmensfahrten wollen wir auch künftig aktiv sein. Deshalb investieren wir regelmäßig in neue Fahrzeuge", sagt Jens Gardemann.

Der sitzt übrigens manchmal noch selbst am Steuer, ist ganz nah dran am Fahrgast und mag den direkten Kontakt. "Irgendwie", findet er, "sind wir Taxifahrer alle ein bisschen Beichtvater und Psychologe."

(RP)