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Rheinberg: Frischer Wind auf dem alten Tanker SPD

Rheinberg : Frischer Wind auf dem alten Tanker SPD

Die Jusos nehmen in Rheinberg Fahrt auf und sorgen auch in der Mutterpartei dafür, dass sich was tut. Peter Tullius, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, freut sich darüber und will den Schwung der jungen Leute für die Partei nutzen.

Beim Parteitag im März haben die Jusos den alten Tanker SPD geentert und sind mit Macht in die Führungetage eingezogen. Fortan schreiten Alt-Genossen und Jungsozialisten im Ortsverein Seit' and Seit'. SPD-Chef Peter Tullius (60) und Juso-Vorsitzender Philipp Richter (23) betonten beim Besuch in der RP-Redaktion die Gemeinsamkeit. "Vom neuen Geist, der sich hier zu Wort meldet, profitieren alle", sagte Parteichef Tullius. Er empfindet den "frischen Wind im Orteverein" als sehr angenehm: "Neue Ideen sind immer gut, auch wenn manches schon vorher mal gedacht worden und aus irgendwelchen Gründen wieder von der Tagesordnung verschwunden ist."

Grundsätzlich sei es sehr schön zu erleben, so der 60-Jährige, "dass sich junge Leute, anders als manche behaupten, doch noch für Politik begeistern lassen". Dafür steht Philipp Richter, der vor zweieinhalb Jahren zusammen mit Hannah Bollig die Jusos in Rheinberg wieder zu neuem Leben erweckt hat.

Auch Richters beruflicher Weg zielt in die politische Richtung. Er belegt den Masterstudiengang Politikmanagement und öffentliche Verwaltung bei Professor Korte, namhafter Experte für Parteienforschung und Wahl-Analytiker.

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Doch das aktive Interesse des Politikwissenschaftlers aus Rheinberg ist eher praktischer Natur. Er will "vor Ort" Themen anpacken und etwas für die Menschen in seiner Stadt erreichen und so für die Jusos und letztlich für SPD Aufmerksamkeit erreichen. Das ist den Jusos mit teils ungewöhnlichen Aktionen bislang schon recht gut gelungen. Mit dem "eigentlich sinnfreien Bierpong-Trinken" haben sie beispielsweise die kleine SPD-Geschäftsstelle am Großen Markt mit rund 70 Jugendlichen gefüllt.

Davon sind, auch dank ernsthafter Aktionen wie zum Thema Abfall, erstaunlich viele hängen geblieben. Mit mehr als zwei Dutzend Mitglidern sind die Rheinberger Jusos hinter Wesel an die Spitze der SPD-Nachwuchsorganisationen im Kreis vorgeprescht. 16 junge Leute zählten zum aktiven Kern. Die Jusos stellen zudem inzwischen fünf Sachkundige Bürger in den Ausschüssen des Rates. Kein Wunder, dass Philipp Richter von einer "langfristigen Perspektive" spricht und bei der Kür der Kandidaten für die Kommunalwahl in 2020 ganz bestimmt Ansprüche anmelden wird. "Das ist, wenn man sich das Durchschnittsalter der aktuellen Fraktion anschaut, auch sicher nicht verkehrt", sagt Tullius. Da werde man im Gespräch sicher zu guten Lösungen finden.

Tullius nennt es "bereichernd und spannend, wenn andere Ideen und unsere Erfahrungen zusammenkommen". Das habe Potenzial und könne in die Gesellschaft ausstrahlen - gerade in Zeiten, in denen es für die gute alte SPD nicht besonders gut läuft.

Es komme darauf an, so der SPD-Vorsitzende, "mit neuem Geist Themen gemeinsam anzugehen". Erstes gemeinsame Projekt soll ein Aktionstag zum Thema "Arbeit im Wandel" sein. Der soll am 13. Juni um 19.30 Uhr in der SPD-Geschäftsstelle stattfinden, die inzwischen mit neuer Tagungs- und Veranstaltungstechnik aufgerüstet worden sei.

An dem Abend sollen Jugendliche ihre ersten Erfahrungen in der Welt der Arbeit einbringen, ebenso angehende Polizisten, aber auch "alte Hasen" wir ein Betriebsrat oder ein Bergmann, Beschäftige im Landtag oder aus dem Landessportbund zu Wort kommen. Unterbezirks-Chef René Schneider ist als Fachmann für Digitalisierung eingeplant.

Selbstverständlich setzen Jusos und SPD auf moderne Kommunikationsmittel, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Die SPD-Homepage wird flotter gestaltet, die Jusos betreiben einen eigenen Blog (jusosrheinberg.de). Beide wollen zwar nach innen wirken, aber auch nach außen Interesse wecken, um deutlich zu machen, wie sie sich eine solidarische Gesellschaft vorstellen.

Auf der Agenda steht auch eine Vortragsreihe über Mobilität (Bus, Bahn, Rad) in Rheinberg. Auf dem umgebauten Großen Markt können sich die Genossen ein Hochbeet vorstellen. Die Geschäftsstelle soll noch mehr zum Treffpunkt werden. Wie am Stadtfest am Sonntag, 17. Juni. Dann bitten Alt- und Jungegenossen zum Public-Viewing beim WM-Auftakt von Jogis Jungs gegen Mexiko.

(bp)