1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Forstwirt in Budberg beklagt: „Unser Wald stirbt am Klimawandel“

Forstwirt vom Wolfskuhlenhof in Budberg : „Unser Wald stirbt am Klimawandel“

Roderich Freiherr von Loë, Forstwirt vom Wolfskuhlenhof in Budberg, weist auf die Probleme der Waldeigentümer hin. Er trage die Verantwortung dafür, dass im Wald niemand zu Schaden kommt, sagt er. Er sei immer gesprächsbereit.

Natürlich sei ihm das freie Waldbetretungsrecht bekannt, sagt Roderich Freiherr von Loë. Dem Forstwirt vom Wolfskuhlenhof in Budberg gehören viele Waldflächen in der Gegend. Er hat Verständnis dafür, dass die Menschen gerne in die Wälder gehen, weist aber auch auf Gefahren hin: „Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr. Der Besucher muss jedoch auf typische Gefahren des Waldes wie trockene herabfallende Äste oder Käferbefallbäume selbst achten und selbst haften.“

Als Waldeigentümer obliegt von Loë die Verkehrssicherungspflicht an Wegen und sogenannten atypischen Gefahren wie Holzpoltern oder Schranken. Praktisch heißt dies für den Waldbesitzer, dass er für seine „Gefahrenquelle“ – also seine Bäume – dafür Sorge tragen muss, dass hiervon keine Gefahren oder Schäden für andere ausgehen. Grenzt der Baumbestand zum Beispiel an eine öffentliche Straße, muss der Waldbesitzer durch Kontrollen und gegebenenfalls Baumpflegemaßnahmen sicherstellen, dass aus seinem Bestand keine Bäume durch Umstürzen oder durch Astabbrüche die Verkehrssicherheit der Straße gefährden.

Äste versperren den Weg im Budberger Wald – auch das ärgert viele Spaziergänger. Foto: Uwe Plien

In den klein strukturierten Waldbeständen von Loës sei dies nicht einfach. „Eine 100-prozentige Sicherheit ist nicht immer möglich und kann auch nicht erwartet werden“, so der Budberger Untenehmer. Der Verkehrssicherungspflichtige habe nur diejenigen Gefahren zu beseitigen oder vor ihnen zu warnen, die für einen durchschnittlich sorgfältigen Benutzer nicht oder nicht rechtzeitig erkennbar seien und auf die er sich nicht oder nicht rechtzeitig einzustellen vermöge.

Doch immer dafür zu sorgen, dass keinem Erholungssuchenden im Wald etwas passiert, „das lässt sich hier gar nicht bis in die letzte Konsequenz durchsetzen“. Als Waldeigentümer müsse er sich für jeden Vorgang im Wald rechtfertigen. Er wünschte sich, dass die Menschen mehr Verständnis und Honorierung für die vielfach gratis geleisteten Ökosystemleistungen der vielen Waldbesitzer hätten. Ein genutzter Wald bietet Klimaschutz, Arten- und Wasserschutz sowie Platz für Erholung auch vieler Einwohner Budbergs. Dies alleine aus Rundholzeinnahmen des Waldes zu finanzieren sei unmöglich. „Wenn Sie in Budberg durch den Wald gehen, merken Sie schnell, dass hier etwas nicht stimmt. Unser Wald leidet am Klimawandel und stirbt“, so der Freiherr. Krankheiten wie das Eschentrieb­sterben, die Rußrindenkrankheit bei Ahornbäumen, die Miniermotte bei Kastanien, vom Borkenkäferbefall bei Fichten mal ganz zu schweigen – das setze dem Wald stark zu. Dies gelte nicht nur im Stadtgebiet Rheinbergs, sondern viel mehr europaweit, mit völlig zusammengebrochenen Holzmärkten, dank des Holzüberangebotes. Kostendeckende Einnahmen der Waldbesitzer seien bisweilen utopisch.

„Und dann der Müll“, so von Loë. „Wir sammeln gut und gerne eine Tonne Müll pro Jahr im Wald ein. Verkehrstechnisches Sorgenkind auf den umliegenden Straßen sind oft die Anwohner mit wahnsinnigen Geschwindigkeiten“, gepaart mit unachtsamen Spaziergängern in den angrenzenden Waldflächen. Die letzten Rehe, die in den umliegenden Wäldern lebten, würden auf der Wolfskuhlenallee totgefahren, weil die Menschen meinten, sich zu jeder Tages- und Nachtzeit im Wald aufhalten zu müssen. „Die Tiere, die Natur, braucht Ruhe mindestens von abends 18 Uhr bis morgens um 6 Uhr. Es wäre schön, wenn uns die Bevölkerung mehr Vertrauen und Honorierung schenken würde und nicht immer nur Forderungen stellen würde“, sagt der Budberger Waldbesitzer.