Rheinberg: Flüchtlinge sind Top-Mitarbeiter

Rheinberg : Flüchtlinge sind Top-Mitarbeiter

Alexandra und Oliver Kulka beschäftigen in ihrer Kfz-Meisterwerkstatt im Gewerbegebiet Winterswick inzwischen vier Migranten als Auszubildende. Vor ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern berichteten sie jetzt von ihren Erfahrungen.

Als Oliver und Alexandra Kulka vor zweieinhalb Jahren beschlossen, Flüchtlinge in ihrem Kfz-Betrieb im Gewerbegebiet Winterswick auszubilden, da waren sie auf der Suche nach guten Mitarbeitern. "Auf einmal stand da Bobur aus Usbekistan vor uns und sagte: ,Ich möchte gerne ein Praktikum bei Ihnen machen'", erzählt der 52-jährige Unternehmer.

Zunächst war das Rheinberger Ehepaar skeptisch, sagte, wir haben keine Zeit und keine Möglichkeiten: "Wir hatten auch unsere Vorbehalte", gibt die 46-jährige Alexandra unumwunden zu. "Wir haben es dann einfach probiert", erzählten die beiden den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern im Schulungsraum der städtischen Einrichtung am Melkweg. Flüchtlingskoordinatorin Britta Jacob und Sozialdezernentin Rosemarie Kaltenbach hatten zu diesem Vortrag eingeladen.

Mittlerweile beschäftigen die Kulkas vier Auszubildende in den Bereichen Mechatroniker und Berufskraftfahrer, sie kommen aus Tadschikistan, Aserbaidschan, Tschetschenien und Usbekistan. Zwei von ihnen sind jünger als 25 Jahre, drei sind Familienväter. Ein weiterer Flüchtling absolviert eine Einstiegsqualifikation für Jugendliche (EQJ). "Seit zwölf Jahren haben wir noch nie so viele gute Leute gehabt. Das ist sensationell", stellen Oliver und Alexandra Kulka für sich fest.

Es habe in der ganzen Zeit "nicht einen gegeben, der mal verschlafen hat", sagt Oliver Kulka. Stets höfliche und freundliche junge Männer. "In Rheinberg sind wir von allen Ämtern reibungslos unterstützt worden, auch vom Ausländeramt Wesel", erzählte das Unternehmerpaar. Sie seien überrascht gewesen, wie wenig bürokratisch die Behörden arbeiteten.

Ein Mitarbeiter komme als anerkannter Flüchtling mittlerweile über das Jobcenter in den Betrieb. Ansonsten gebe es keine Förderprogramme für die Flüchtlinge, machte Alexandra Kulka deutlich. "Wir gehen zum Ausländeramt und beantragen die befristete Arbeitserlaubnis. Und wir haben drei von ihnen den Führerschein finanziert, weil sie ja auch in der Werkstatt rangieren und Probe fahren müssen." Ihre Kritik: Der Staat fördere diese Menschen nicht, weil er strukturell kein Interesse daran habe, dass sie arbeiten. Andere Arbeitgeber sollten sich ruhig trauen, Flüchtlinge einzustellen, riet das Ehepaar.

Beim Treffen der ehrenamtlichen Betreuer rief die Initiative Beifall hervor: "Es erfüllt mich mit Stolz, dass es so tolle Leute wie Sie gibt", meinte Flüchtlingsberaterin Bilgenur Zaman von der Awo. Und die Rheinberger Beigeordnete Rosemarie Kaltenbach zückte die kurzfristig bei Ihr ins Haus geflatterten Antragsunterlagen des Kreises Wesel für den "Deichmann-Förderpreis für Integration" hervor. "Der gilt für kleine und mittelständische Unternehmen, die sich außergewöhnlich für Ausbildung engagieren." Und das sei hier der Fall. Das Ehepaar wird sich an der Ausschreibung beteiligen - und will das auch als Signal an andere Firmen zum Engagement verstanden wissen.

(aflo)
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