Rheinberg: Eversaeler Eiche ist ab sofort Naturdenkmal

Rheinberg: Eversaeler Eiche ist ab sofort Naturdenkmal

Die symbolträchtige Friedenseiche von Familie Amtmann an der Grafschafter Straße wurde 1871 gepflanzt. Fällen wurde abgewendet.

Seit Donnerstag ist es amtlich. Die Eiche von Familie Amtmann in Eversael ist ein anerkanntes Naturdenkmal und trägt die entsprechende Plakette. 1871 wurde der Baum gepflanzt, damals nach dem deutsch-französischen Krieg, der Reichsgründung und im Zeichen einer zart knospenden Freundschaft mit Frankreich. Für den Anlass waren die in die Jahre gekommenen Enkel der damaligen Zeitzeugen wichtige Informanten.

Mit dem Wissen um die Besonderheit dieses Baumriesen setzten Katharina und Karl Heinz (Charly) Amtsmann sich über ein Schreiben der Stadt Rheinberg hinweg. 2011 wurde die Standsicherheit angemahnt und im Sinne der Verkehrssicherungspflicht zu einer entsprechenden Untersuchung des Baumes geraten. "Wir sollten deshalb den Zement entfernen, mit dem ein Loch im unteren Bereich verschlossen wurde", erzählt Katharina Amtmann. Sozusagen eine baumchirurgische Maßnahme, denn das Loch stammt von einer Panzerfaust, die "die Eiche in den letzten Kriegstagen 1945 abbekommen hat", sagt Katharina Amtmann.

Nachbarin Ulla Hausmann-Radau wurde eingeschaltet, die Kontakte zur Unteren Landschaftsbehörde im Kreishaus hatte "und dann nahm alles einen Lauf", so Amtmann, bei der auch ein wenig Besitzerstolz zu spüren ist. Peter Küster von der zuständigen Behörde in Wesel kam, um sich das stolze Exemplar von Eiche anzusehen. Ihre Maße sind beeindruckend mit über 5,30 Meter Umfang und einer Höhe von 25 bis 30 Metern. Gemeinsam wurde dann die weitere Vorgehensweise besprochen und die Unterschutzstellung als Denkmal beantragt. Über den Kreis und das Land wurde der Weg für das Naturdenkmal geebnet. Ein Drittel der Kosten, so die Vorgabe, übernahm die Familie Amtmann, zwei Drittel das Land NRW. Die Unterschutzstellung entbindet den Eigentümer oder Nutzungsberechtigten nicht von der Verkehrssicherungspflicht und den üblichen Pflege sowie und Unterhaltungsmaßnahmen, heißt es.

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Knackpunkt war allerdings, dass NRW sich zu dem Zeitpunkt in einem nicht genehmigten Haushalt befand. Nötig für die Kostenübernahme waren drei Kostenvoranschläge von fachlich versierten Baumpflegern, die dem Antrag auf Naturdenkmal beigefügt wurden. Zum Ende 2012 wurde der Baum nach allen Regeln der Kunst beschnitten und das Totholz entfernt. Das Zementpflaster ist dabei nicht das Problem, da die Eiche sehr gesund ist und — nach Aussagen der Fachleute — den Zement im Laufe der Jahre umwachsen wird.

"Ich finde es toll, dass sich Familie Amtmann und auch der Kreis Wesel zu einem solchen Schritt entschlossen haben. Die schlechtere Lösung wäre das Fällen des Baumes gewesen, die auch im Raum gestanden hat", sagt Ulla Hausmann-Radau.

(sabi)
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