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Evelyn Roth erzählt, was sie als Schülersprecherin in Alpen gelernt hat

Politische Bildung : „Bin stolz, dass wir mitbestimmen durften“

Evelyn Roth hat als Schülersprecherin eine Änderung der Schulordnung an der Sekundarschule Alpen auf den Weg gebracht. Der Erfolg stellt sich ein, als sie nicht mehr da ist. Handys sind nun in der Mittagspause erlaubt.

Evelyn Roth war mal Schulsprecherin der Sekundarschule Alpen und hat hier einiges in ihrem Schülerinnen-Dasein erlebt. Sie hat es beispielsweise geschafft, dass die heutigen Schülerinnen und Schüler dank einer neuen Schulordnung inzwischen in der Mittagspause ihre Handys benutzen dürfen. Bis es allerdings so weit war, war ein langer Weg zu gehen, der auch bei Evelyn Roth zu einem besseren Verständnis für notwendige Abläufe bei Veränderungen geführt hat. Im Gespräch mit ihren Nachfolgern, der heutigen Schülersprecherin Celina Sakar und ihrem Vertreter Philipp Marschalleck, erzählt Evelyn von dieser wichtigen Erfahrung.

Celina: Evelyn, danke, dass du so für uns gekämpft hast. Es ist toll, dass wir jetzt alle die Handys in der Mittagspause benutzen dürfen. Warum war dir das eigentlich so wichtig?

Evelyn Immer wieder kamen Schülerinnen und Schüler zu mir und haben mich gefragt, warum sie denn ihre Smartphones nicht auf dem Schulgelände benutzen dürfen. Wir würden ja schließlich nicht mehr in der Steinzeit leben. Da habe ich mich im Internet schlaugemacht und gemerkt, dass man als Schülersprecherin durchaus etwas bewegen kann. Außerdem habe ich extra ein Schülersprecherinnen-Seminar besucht. Das hat mir eine Menge Mut gemacht.

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Philipp: Und warum hat das dann so lange gedauert, bis die Idee in die Tat umgesetzt werden konnte? So schwer kann das doch gar nicht gewesen sein.

Evelyn (lachend): Zunächst mal haben wir mit Unterstützung von SV-Lehrerin Frau Terschüren mit Frau Kühn, die zu dem Zeitpunkt die Schule geleitet hat, geredet. Sie stand unserer Idee, eine neue Schulordnung zu gestalten mit dem Passus, die Handys benutzen zu dürfen, offen gegenüber. Allerdings machte sie uns schnell klar, dass man nicht mal eben was entscheiden könne, sondern, dass wir Wege einhalten müssen. Also erst sollten wir einen Arbeitskreis gründen, zu dem Eltern, Lehrerinnen und wir Schülerinnen gehörten. Da fing das Problemchen dann schon an – finde mal Termine, an denen alle können.

Philipp: Okay, das verstehe ich. Aber dann trifft man sich eben zwei Mal und die Sache ist durch, oder?

Celina: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so einfach war. Jeder hat doch seine Vorstellungen, was in die Schulordnung gehört und was nicht. Gab‘s viele Diskussionen?

Evelyn Natürlich, jeder wollte erst mal seine Vorstellungen in der Schulordnung verewigt sehen. Aber alle sind respektvoll miteinander umgegangen. Deshalb hat es Spaß gemacht.

Philipp: „Sorry, Mädels. Ich finde immer noch, dass es sehr lange gedauert hat.

Evelyn  Ja, Philipp – und weißt du auch, warum? Denk mal nach. Welche völlig neuartige Erfahrung durften wir denn alle vor zwei Jahren machen?

Philipp: Oh no, meinst du das C-Wort? Stimmt, mea culpa.

Evelyn Ja, genau Corona. Dann ging es erst mal nur per Mail weiter. Das dauerte alles ein wenig länger, aber wir sind am Ball geblieben. Schließlich haben wir uns in Videokonferenzen geübt. Klappte auch, und schwups, waren zwei Jahre vorbei. Ich war keine Schulsprecherin mehr. Aber das Projekt wurde fortgeführt.

Celina: Ja, unglaublich, dass die Schulordnung erst in allen Gremien vorgestellt werden musste. Auch unsere Selbstverpflichtung bezüglich der rechtlich einwandfreien Nutzung der Handys musste besprochen und abgesegnet werden. Schließlich wurde in der Schulkonferenz endgültig über die Schulordnung abgestimmt. Schade, dass du deinen Erfolg gar nicht mehr mit uns feiern konntest.

Evelyn Ich habe noch viel Kontakt zu allen, außerdem treffen sich die ehemaligen Sporthelfer und Sporthelferinnen mit ihrem Ausbildungslehrer Herrn Pomp noch regelmäßig. Ich habe verstanden, warum es auch in der Politik oft so lange dauert, bis etwas entschieden wird. Ich finde richtig gut, dass wir mitbestimmen durften, und bin echt stolz darauf. Ich finde, dass wir eine Menge fürs Lebens gelernt haben, wissen, wie man richtig wählt, Wahlurnen kennen, Wahlplakate gestalten und eben auch mitbestimmen können. Ich freue mich jedenfalls für euch, dass es jetzt so gut klappt.

Philipp: Wir freuen uns über dein Engagement. Hoffentlich können wir in deine Fußstapfen treten. Wegen Corona konnten Celina und ich nur in einer Briefwahl gewählt werden. Aber das kennen wir nun auch. Bei dir gab es ja noch die Wahl mit richtigen Wahlurnen und Wahlkabinen. Also Evi, dann auf bald.

(RP)