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Evangelischer Kindergarten Alpen verschickt E-Mail mit Tipps für daheim

Evangelisches Familienzentrum Alpen : Briefe aus der Stille des Kindergartens

Um die Distanz zu den Kindern zu überbrücken, schicken die Erzieherinnen der Kita des Evangelischen Familienzentrums täglich E-Mail mit Bastelideen, Liedern und Anregungen für Spiele raus.

In der der Kita des Evangelischen Familienzentrums am Dahlacker ist Stille inzwischen das lauteste Geräusch. „Die Kinder fehlen uns sehr“, sagt Leiterin Claudia Schött. Momentan kommen nur fünf Kinder von Eltern, die in sogenannten Schlüsselberufen arbeiten und in der Corona-Krise beruflich unabkömmlich sind. Sonst sind Tag für Tag fast 80 Knirpse da. Die Erzieherinnen überbrücken mit Briefen die Distanz zu den Kindern, die zu Hause bleiben müssen.

Täglich schickt das Team Kindern und Eltern eine E-Mail mit Anregungen für die gemeinsame Zeit. Mal haben sie den Kindern ein Regenbogenbild mitgeschickt und sie gebeten, ein ausgemaltes Bild zu Hause aufzuhängen und ein anderes in den Briefkasten der Kita zu werfen. Die eingegangenen Regenbogenbilder wurden so aufgehängt, dass man sie vom Parkplatz oder von der Straße aus sehen kann.

Mal war eine Hasengeschichte dabei, in der das Thema Corona kindgerecht erklärt wird. Dazu gab’s ein Hasenlied, ein Rezept für süße Hasen-Plätzchen und ein lustiges Hasenfingerspiel. Zum Thema Ei passten ein Rezept für einen Spiegeleierkuchen, Rätselfragen, Ostereier-Mandalas und eine Mit-Mach-Geschichte.

„Zu Beginn dieser völlig neuen Situation haben wir hochmotiviert all das angepackt, was im Alltag liegenbleibt beziehungsweise nicht bewältigt werden kann“, so Claudia Schött. Die Gruppenräume wurden komplett leergeräumt, die Parkettböden gewachst und poliert, alles wurde desinfiziert – vom Kinderstuhl bis zum Duplo-Stein –, die Vorhänge gewaschen, Lager, Keller und Speicher ausgemistet. Anschließend wurde jeder Gruppenraum neu eingerichtet.

„Nach zweieinhalb Wochen war die Kita wieder liebevoll hergerichtet“, so die Leiterin. „Aber die Ruhe war surreal“, so Schött, „die unwirkliche Stille schrie uns förmlich an und vermittelte das Gefühl, dass alles falsch ist.“ Spielen, puzzeln, basteln, malen, turnen, lesen, singen und vor allem das „Quatschmachen“ fehlten wie „die Fragen der Kinder, ihr Rufen und ihr Lachen“.

 So wuchs der Wunsch, „Nähe herzustellen trotz des Abstandsgebotes“. So sei die Idee gereift, per E-Mail Kontakt zu den Familien aufzunehmen. Da es für Eltern herausfordernd sei, sich immer etwas Neues einfallen lassen zu müssen, kämen nun auf digitalem Weg täglich Anregungen. „Auch die Kinder erhalten Vorschläge, was sie mit ihren Eltern gemeinsam machen können“, so Erzieherin Schött.

 In der Karwoche schickt die Kita den Kindern biblische Geschichten mit Bildern, die sie von den regelmäßigen Besuchen von Pfarrerin Heike Becks schon kennen. „Es ist uns ein Anliegen, dieser chaotischen Zeit mit Ruhe, Gelassenheit und größtmöglichem Optimismus zu begegnen“, so Schött: „Alles wird gut – wir glauben ganz fest daran.“

Bis dahin werden die Kinder, die in die Kita kommen, von Claudia Schött persönlich bekocht. Sie hat eigens ihre Küchenmaschine mit in den Kindergarten gebracht. Freitag gab’s Risotto mit Lachs und Möhren-Apfelsalat. Gesund und lecker.

(bp)