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Europawahl 2019 in Rheinberg: CDU, SPD und Grüne schockiert von AfD-Ergebnis in der Reichelsiedlung

Europawahl in Rheinberg : CDU, SPD und Grüne schockiert von AfD-Ergebnis in der Reichelsiedlung

Im gesamten Stadtgebiet von Rheinberg hat die AfD etwas schlechter abgeschnitten als bundesweit. Aber in der Reichelsiedlung ist sie die stärkste Kraft geworden. CDU, SPD und Grüne suchen nach einer Erklärung.

Eigentlich hatte Peter Mokros am Sonntagabend allen Grund zum Feiern, denn seine Grünen hatten bei der Europawahl ihr Ergebnis verdoppelt. Aber die Zahlen aus dem Stimmbezirk 11 in Rheinberg verdarben ihm beinahe die Laune: Dort, in der Reichelsiedlung, wo viele Migranten, Arbeitslose und Menschen mit niedrigem Einkommen leben, war die AfD am Sonntag die stärkste Kraft geworden. Erst dahinter folgten Grüne, CDU und SPD. „Das war für uns alle ein Schock“, sagte Rheinbergs Grünen-Chef Mokros.

Insgesamt hat die AfD bei der Europawahl in Rheinberg 9,2 Prozent erreicht. Sie blieb also unter dem bundesweiten Wert, stadtweit lag sie hinter CDU (28 Prozent), SPD (20,3 Prozent) und den Grünen (21,1 Prozent). Aber im Stimmbezirk 11 bekam sie 18,8 Prozent der abgegebenen Stimmen, die Grünen 18,2 Prozent, die SPD 16,6 Prozent und die CDU 15,5 Prozent (ohne Briefwähler). Außerdem lag die Wahlbeteiligung hier bei 42,4 Prozent und war damit deutlich niedriger als in Rheinberg insgesamt (63,6 Prozent). In der Reichelsiedlung seien die Menschen unzufrieden mit der Politik der großen Parteien, sagte Uwe Krins, AfD-Kreistagsabgeordneter aus Rheinberg.

Grüne, CDU und SPD wollen nun die Ergebnisse der Europawahl und vor allem die Zahlen aus der Reichelsiedlung analysieren, wie Vertreter der Parteien mitteilten. Am Montag suchten sie noch nach einer Erklärung für das Abschneiden der AfD. Rheinbergs SPD-Fraktionschef Jürgen Madry vermutete, dass viele Menschen im Stimmbezirk 11 aus der Europawahl eine Protestwahl gemacht hätten. Die Bewohner fühlten sich alleingelassen, wenn es in der Siedlung Probleme gebe, vermutete der Grünen-Politiker Mokros. „Wir müssen reagieren“, sagte Sarah Stantscheff, Stadtverbandsvorsitzende der CDU in Rheinberg. Dort sei die Wahlbeteiligung schon in der Vergangenheit niedriger gewesen als anderswo in Rheinberg, wovon oft extreme Parteien profitierten, weil sie ihre Wähler mobilisieren könnten. „Wir müssen uns überlegen, wie wir die Menschen erreichen können.“