Abschlussfeier der Europaschule Rheinberg Frei nach zehn Jahren „Gefängnis“

Rheinberg · 127 Zehntklässler der Rheinberger Europaschule haben in der Stadthalle ihre Zeugnisse in feierlichem Rahmen bekommen. Das Motto ihrer Abschlussfeier lautete „Unschuldig und trotzdem zehn Jahre gesessen“.

 Die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Europaschule wurden am Freitag in der Stadthalle feierlich verabschiedet.

Die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Europaschule wurden am Freitag in der Stadthalle feierlich verabschiedet.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Die Jungs in schicken Anzügen, die jungen Damen in den tollsten Kleidern und frisiert wie Hollywood-Stars: Man spürt schon beim Sammeln vor der Stadthalle am Freitagabend eine kribblige, im positiven Sinne aufgeregte Stimmung. 127 Schülerinnen und Schüler der fünf zehnten Klassen der Europaschule werden in der Stadthalle feierlich verabschiedet. Viele Eltern und Geschwister sind mit dabei. Die Zeugnisübergabe ist eingebettet in ein liebevoll vorbereitetes Programm.

Nebelschwaden steigen auf und laute Discomusik pumpt durch den Saal, als die Zehntklässler einmarschieren. Das rhythmische Klatschen der Gäste sagt: Ihr seid heute die Stars, lasst euch feiern!

Der Abend hat viel mit Freiheit zu tun. Das wiederum leitet sich auch von dem Motto ab, das die Europaschüler für ihren Abschluss gewählt haben. „Unschuldig und trotzdem zehn Jahre gesessen“ lautet es. Dass sie die Schulzeit wirklich wie eine Zeit im Gefängnis empfunden haben, glaubt Schulleiter Martin Reichert tatsächlich nicht. „Was ihr manchmal als Strafe empfunden habt, hat euch auch geformt.“

Die Schule vergleicht er eher mit einem Escaperoom als mit einem Gefängnis. „Ein Escaperoom, in dem ihr euch viele Schlüsselkompetenzen erarbeitet habt“, sagt Reichert. Und: „Euer Abschluss ist nicht das Ende, es ist der Anfang von etwas Neuem.“ Dieses Neue kann Freiheit sein. Und was das heißt, sagt er mit einem Zitat von Nelson Mandela: „Frei zu sein bedeutet nicht nur, seine eigenen Fesseln zu lösen, sondern ein Leben zu führen, das auch die Freiheit anderer respektiert und fördert.“ Er sehe die Freiheit der Europaschüler so, dass sie ihre eigene, die der anderen „und die unserer Welt“ organisierten. Der Direktor: „Ihr seid jetzt frei zu entscheiden, welchen Weg ihr nehmen wollt und welchen Aufwand ihr bereit seid, auf euch zu nehmen.“ Allen Schülerinnen und Schülern wünscht er Glück, Gesundheit und alles Gute und lädt sie gleich zum Ehemaligentreffen ein, das immer am zweiten Samstag im September stattfindet.

Klaus Vaupel, zuständiger Abteilungsleiter für die Mittelstufe, greift die Knast-Metapher auf originelle Art und Weise auf. Er verliest eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, stellt den „Angeklagten“ ihre Klassenlehrer als „Pflichtverteidiger“ zur Seite und kündigt an, dass „Richter Reichert“ das Urteil sprechen werde. Dabei gibt er zu bedenken, dass die Abgänger schon „sechs Jahre Untersuchungshaft“ hinter sich hätten. Ansonsten schlage die Staatsanwaltschaft vor: „Lebenslänglich ohne anschließende Sicherungsverwahrung.“ Und meint damit wohl lebenslänglich Glück, Erfolg, Gesundheit und Zufriedenheit.

Dann verteilen Martin Reichert und Klaus Vaupel die Zeugnisse an die fünf Klassen. Wobei die 10b zuerst auf die Bühne darf, weil sie den besten Notendurchschnitt hat. Zu jedem „Giftblatt“ gibt es noch eine rote Rose.

Das Programm ist damit noch lange nicht zu Ende. Es gibt Musik, ein Lehrerquiz, das Theaterstück „Aschenputtel Reloaded“, die Show „Schlag den Lehrer“ und viel Applaus für die vier Moderatoren des Abends aus den Schülerreihen: für Lara, Giuliana, Jerome und Nico, die ihre Sache ganz prima gemeistert haben, auch wenn zuweilen die Technik streikte.

Alles Gute, Ihr Zehntklässler!

(up)