Erscheinungsbild der 426 Papierkörbe in Rheinberg beschäftigt die Politik

Abfall im öffentlichen Raum : Papierkörbe sind doch keine Mülltonnen

Der Dienstleistungsbetrieb hat den Zustand der 426 Papierkörbe dokumentiert. Bürger missbrauchen die Behälter für private Abfallentsorgung.

Wenn’s sichtbar um die Ordnung geht, dann ist auch die Politik hellwach. Dass da in der Stadt einiges im Argen liegt, davon bekam der DLB-Betriebsausschuss jetzt bildlich einiges vor Augen geführt. Während der Ausschuss über die Leerung der 426 öffentlichen Papierkörbe – bis zu 40 unterschiedliche Modelle – debattierte, liefen an der Wand Vorher-Nachher-Fotos von den einzelnen Standorten. Die hatte der DLB-Saubermann geschossen, um einmal den Zustand in den Körben und um die Körbe herum zu dokumentieren. Was die Politik da zu sehen bekam, war wenig erbaulich – auch nicht immer nach erfolgter Reinigung. Denn Schmierfinken hinterlassen mit Farbe aus der Dose bleibende Spuren. Fazit der Beratung: Der Aufwand, ein halbwegs ansehnliches Bild zu erhalten, ist erheblich. Eigentlich müsste mehr getan werden, so die einhellige Einschätzung. Aber das kostet.

Momentan sieht der Arbeitsplan vor, erläuterte DLB-Chef Holger Beck, dass ein Mann an vier Tagen die Woche die Runde macht, alle Standorte aufsucht, Spielplätze inklusive. „Der eine schafft’s nicht mehr in der Zeit“, so Beck, „auch wenn sonst nicht viel los ist.“ Es brauche fünf volle Arbeitstage, um einigermaßen klar Schiff zu haben. Um auch die nur „fußläufig“ erreichbaren Müllgefäße besser bewirtschaften zu können, bräuchte es ein „Schmalspur“-Fahrzeug mit Pritsche. Das Lastenrad der Stadt sei ungeeignet, hieß es auf Nachfrage von Klaus Wittmann (CDU).

Zu schaffen machen dem DLB-Mitarbeiter die unzähligen Hinterlassenschaften von Hunden. Nicht nur weil sie den Job wenig appetitlich machen. Manche Mülltüten in den Abfallkörben brächten 20 bis 30 Kilo auf die Waage, hieß es. Sehr stattlich.

Der Wille zur Qualitätssteigerung auch in dem Sektor sei vorhanden, beteuerte Holger Beck. Es gebe Überlegungen die Behälter mit einem Barcode zu versehen, um das Erfahrungswissen der Leerkräfte durch eine systematische Dokumentation zu ergänzen. Das heißt zum Beispiel: Regelmäßig überfüllte Behälter werden öfter angesteuert. Andere bekämen, wenn verträglich, weniger Zuwendung.

Eine Erlösung für einen völlig überforderten Mülleimer zwischen einer Schule und einer Pizzeria zeichnet sich nicht ab. Es gebe spezielle Behältnisse für Pizzakartons, wusste einer aus der CDU. Ein anderer schlug vor, hier einen Container aufzustellen. Davor konnte Dezernentin Rosemarie Kaltenbach nur warnen: „Gelegenheit macht Diebe“, entlehnte sie eine Volksweisheit aus einem anderen Bereich, um deutlich zu machen, dass üppige Müllbehälter noch mehr Müll anlocken. „Manchmal ist weniger mehr“, so Kaltenbach. Es könne sogar hilfreich sein, Abfallkörbe abzubauen. Die Beigeordnete nutzte die Gelegenheit zu einem Appell an gedankenlose Zeitgenossen, die öffentlichen Müllgefäße nicht zur Entsorgung ihres Hausmülls „misszubrauchen“. Rosemarie Kaltenbach: „Die heißen ja nicht umsonst Papierkörbe.“ Wer mehr Sauberkeit wolle, müsse bereit sein, mehr zu tun. Die dadurch entstehenden Kosten müssten dann über die Müllgebühr oder aus dem städtischen Haushalt finanziert werden. Mit anderen Worten: Die Saubermänner und Sauberfrauen in den Fraktionen müssten über mehr Geld sprechen.

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