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Rheinberg: Erinnerungen an die Zeit bei Reichel

Rheinberg : Erinnerungen an die Zeit bei Reichel

40 ehemalige Mitarbeiter berichteten gestern in der Fabrikanten-Villa über Haus, Unternehmen und Unternehmer.

Mit dieser Resonanz hatte Achim Schwutke nicht gerechnet. "14 Zeitzeugen hatten sich nach dem Aufruf gemeldet, in die Reichel-Villa zu kommen", erzählte der Eigentümer der Reichel-Villa gestern Abend. Seine Frau Ursula Schwutke wird dort im August 2014 die "International School of Life" als Grundschule eröffnen. Aber am Ende waren es 40 einstige Reichelaner geworden, die alle Platz im Wohnzimmer und im Esszimmer fanden. Schließlich liegen diese in einer großzügig gebauten Villa, die sich trotz Bergschäden noch weitgehend in einem gepflegten Originalzustand befindet und am Rande der Reichel-Siedlung in einer Parkanlage steht. Sie versprüht den Zeitgeist der späten 1950-er Jahre und nicht wenige denken, gleich könne Marilyn Monroe aus irgendeiner Tür herauskommen.

Viele Zeitzeugen hatten alte Fotos aus ihrer Jahren bei Reichel mitgebracht, um nach einer kurzen Begrüßung durch Ursula Schwutke schnell miteinander ins Gespräch zu kommen, während sie teilweise für die "Aktuelle Stunde" im WDR gefilmt wurden. "Ich habe heute noch einen Reichel-Teppichboden im Schlafzimmer liegen", erzählte beispielsweise Jürgen Strauch, der bis zum Reichel-Aus im Jahr 1978 in der Buntweberei und der Aschelweberei, als der Weberei für Gardinen, gearbeitet hatte. "So eine Ware ist heute nicht mehr im Verkehr." Auch über das Unternehmen, das 1948 durch den Sachsen Herbert Reichel gegründet worden war, fand er nur lobende Worte: "Reichel war eine Superfirma. Für uns war es ein tolle Zeit." Das meinte auch Werner Schneider, der bei Reichel seine spätere Frau Anne Schneider kennengelernt hatte, mit er mittlerweile seit 54 Jahren verheiratet ist: "Herbert Reichel war streng, manchmal auch bollernd", so der einstige Verkaufsleiter. "Wenn etwas nicht lief, sagte er uns seine Meinung. Dabei war er nicht nachtragend. Insgesamt war er sehr menschlich und hat sich für die Mitarbeiter eingesetzt. Er hat für sie Häuser bauen lassen."

Auch Ilse Schlosser blickte auf eine glückliche Zeit beim Rheinberger Textilunternehmen zurück. "Ich war Fotografin und manchmal auch Modell", berichtete sie, als sie Anne und Werner Schneider ein Album mit alten Fotos der Reichel-Villa und der Verkaufsausstellung zeigte. Friedhelm Rosin erzählte, er habe noch seinen Reichel-Ausweis, selbst wenn dieser mit dem Verkauf des Unternehmens an die Girmes AG in Kempen-Oedt seit 35 Jahren ungültig sei. "In 25 Jahren wird es keine Zeitzeugen von Reichel mehr geben, obwohl in besten Zeiten über 2000 Menschen dort gearbeitet haben", meinte der einstige Weber, der heute in Alpen-Bönninghardt wohnt.

(RP)