Rheinberg: Erinnerungen an das Hochwasser 1784

Rheinberg: Erinnerungen an das Hochwasser 1784

Johannes Rütten aus Borth fand im Archiv einen Bericht des damaligen Küsters und Schulmeisters Johannes Nooten.

Johannes Rütten interessiert sich schon lange für Heimatgeschichte. Als die Borther Schützenbruderschaft St. Evermarus, der Rütten seit 40 Jahren angehört und deren Schriftführer er seit 1980 ist, 1999 ihr 275-jähriges Bestehen feierte, war der 64-Jährige Hauptverfasser der Festschrift. "Damals war ich im Borther Pfarrarchiv auf ein Schriftstück aus dem Jahre 1784 gestoßen", so Rütten. "Das fiel mir jetzt beim Rheinhochwasser wieder ein." Johannes Nooten - er war Küster und Schulmeister in Personalunion - hatte seinerzeit einen Bericht über ein verheerendes Rheinhochwasser verfasst. Den Text hat Johannes Rütten der RP zur Verfügung gestellt:

"Nachricht von daß Jahr 1784, was sich zu getragen.

Von Anfang Deccember 1783 bis Februar 1784 ist es beständig stärken Frost gewesen, daß der Rhein, von oben bis unten Zwey Monat gestanden und dabei starken Schnee, bis den 28ten Februar, ist der Rhein losgebrochen, des Nachts vom 28ten bis 29ten Februar, ist ein Wasser erstanden, bey 4 Fuß höher als Anno 1740, und ist der Bandeich von Ossenberg bis Büderich 9 mahl durch gebrochen, und ist hier in alle Gegenden bis in Die Menselsche Heyde, haben die Leuth bey 4 bis 5 Fuß Wasser in die Häuser bekommen, und hier zu Borth hat es über die ring Mauer des Kirchhoff getrieben, die Leuth, die daß fieh Kühe und Pferde auf dem Kirchhoff gehabt, seynd mit Kühe und Pferde in die Kirch reteriert, und seind doch 17 Stück Kuhfieh ersoffen. Und durch das ganze Dorff die mehrste Pferde, Kühe und Schweine ersoffen. Und in die Kirch hat das Wasser 2 ½ Fuß Rheinländische maß und aufm Cohr 2 Fuß 2 Daum gestanden. Und auf meine Kammer 1 Fuß gestanden. Dieses hat geschrieben der Zeitliche Küster und Schulmeister Johannes Nooten."

Johannes Rütten weiß, dass der Verfasser Johannes Nooten 1739 in Issum geboren wurde und 1820 verstarb. Von 1770 an war er Küster in Borth. Rütten: "Nooten war ursprünglich Schmiedemeister in Alpen gewesen. Er war kein ausgebildeter Lehrer. Vermutlich hatte er die Küsterstelle angenommen und ist dann einfach zusätzlich als Lehrer eingestellt worden."

Nooten war drei Mal verheiratet, seine ersten beiden Frauen starben jung. Insgesamt hatte er offenbar sieben Kinder. Rütten: "1783 war ein schlimmes Jahr für ihn, da sind drei seiner Kinder gestorben. Und seine zweite Frau starb 14 Tage vor dem geschilderten Hochwasser im Alter von 38 Jahren." Interessant ist, dass zunächst sein Sohn Johannes Nootens Nachfolger als Küster und Schulmeister wurde, ihm folgte ein Enkel - ein Sohn der ältesten Tochter. Ein anderer Enkel - Heinrich Bühren - war zeitgleich Pastor in Borth. Noch heute gibt es einen Nachfahren von Johannes Nooten in Borth: Otto Baumann. Er lebt mit seiner Frau im Ort und ist wie Johannes Rütten engagiertes Mitglied der St.-Evermarus-Schützenbruderschaft.

(up)