Erasmus-Projekt in Rheinberg: Gelebtes Europa auf der Theaterbühne

Erasmus-Projekt in Rheinberg : Gelebtes Europa auf der Theaterbühne

In einem Erasmus-Projekt arbeiten deutsche, portugiesische und spanische Schüler an einer Aufführung über ihre Ängste und Hoffnungen.

Stille herrscht auf der Bühne der Stadthalle, obwohl zwei Dutzend Schüler auf den Brettern stehen. Aufmerksam lauschen sie den Anweisungen ihres Trainers für diesen Tag – des Düsseldorfer Schauspielers Alexander Steindorf. „Ihr müsst versuchen, ihm tief in die Augen zu sehen“, sagt er und erteilt den Schülern die Aufgabe, in Vierergruppen mit einem ihrer Mitschüler Augenkontakt zu halten.

Ein paar Minuten zuvor hatten Lilith und Zoe von der Theater-AG der Europaschule schon eine anderen Aufgabe zu meistern. „Wir mussten jeweils von einer Person fern bleiben und einer anderen so nahe kommen, wie es geht“, erläuterten die beiden Zwölfjährigen den Auftrag. „Das ist eine Raumgefühlgeschichte – man muss sich bewusst werden, wie groß der Raum ist und wie weit ich mit der Stimme komme“, erläuterte der Fachmann die Idee, die hinter den Bewegungsübungen stand. „Wir lernen so etwas in zwei Jahren“, verdeutlichte er den Anspruch dahinter.

Steindorfs dreistündiger Workshop war der erste konkrete Aufschlag, den das Erasmus-Theaterprojekt der Europaschule Rheinberg nehmen durfte. „Damit wollen wir zeigen, wie so etwas mit den portugiesischen und spanischen Schülern zusammen funktioniert“, sagte Pädagogin Mareile Manten. Sie hatte das Projekt mit ihrem Kollegen Thomas Ververs zusammen angeschoben und ihre Kollegen aus Spanien und Portugal, die seit Sonntag in Rheinberg sind, zu diversen Theater- und Tanzproduktionen wie „Marquise von O“ in Oberhausen oder „Now&next“ im Düsseldorfer Tanzhaus eingeladen, „um zu zeigen, was in Deutschland läuft“.

Den Kontakt zu den Schulen Institut Escola 3 d’Abril im katalonischen Móra la Nova und der Escola Secundária Fernao Mendes Pinto im portugiesischen Almada hatte Ververs über eine europäische Schulseite im Internet im Herbst 2018 hergestellt. Im März erfolgte dann die Bewerbung „auf ein Erasmus-Projekt, dass sich dem europäischen Gedanken widmet“, erzählte Manten. „Und wir haben dafür den Zuschlag erhalten.“ Das Projekt soll den Titel „Dream a little dream (dt.: Träum einen kleinen Traum)“ tragen. Dabei soll innerhalb der Vorführung vergleichend dargestellt werden, „welche Ängste und Hoffnungen die Kinder und Jugendlichen in den verschiedenen Ländern haben“, so die Pädagogin. Über die Internet-Plattform soll für die Rheinberger auch der Kommunikationsweg laufen, um das Projekt mit ihren Mitschülern in Portugal und Spanien zu entwickeln. „Es gibt kein Drehbuch. Es ist eine Darstellung, die viel mit Körpersprache und Stimme zu tun hat“, unterstrich Manten.

Von jeder der beteiligten Schulen nehmen jeweils neun Schüler teil – darunter sind auch Alexander (13 Jahre) und Lara (12). „Es ist interessant, wie sie sich verständigen, wie sie spielen. So kann man Erfahrungen sammeln“, meinte Alexander. „Ich freue mich auf die Herausforderung, mit Menschen anderer Länder zu spielen, deren Sprache man nicht spricht“, ergänzte die Zwölfjährige. Und auch die Pädagogen sind darauf gespannt, was entsteht. „Wir haben Erfahrung mit Erasmus-Thaterprojekten“, sagte die portugiesische Lehrerin Lurdes Cruz. „Das ist wichtig für die Bildung – das Kennenlernen von Kulturen, Teamwork und Kreativität werden dabei gebündelt. Kritisches Denken ist das wichtigste Werkzeug des 21. Jahrhunderts.“

Mehr von RP ONLINE