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Ende einer langen Tradition: Chor Harmonie in Rheinberg hat sich aufgelöst

Musikszene Rheinberg mit schmerzlichem Verlust : Der Chor Harmonie ist stumm geworden

Die Ursprünge liegen mehr als 160 Jahre zurück, und der Chor war lange männlich: Die so traditionsreiche Rheinberger Frauen-Singgemeinschaft ist Opfer der Pandemie geworden und hat sich jetzt schweren Herzens aufgelöst.

Der Chor Harmonie ist nun Geschichte. Es gilt fortan das Motto: „Er war einmal“. Für Vorsitzende Christel Malorny war’s beim Abschiedskonzert persönlich ein ganz schwerer Gang, als sie auch offiziell die Auflösung des Chores Harmonie Rheinberg verkünden musste. Es war das erste Treffen der Sängerinnen im Haus der Generationen seit mehr als einem Jahr. Es sollte zugleich ihr letztes sein. Ein Entschluss, der viel Kraft gekostet hat, wie die Vorsitzende anklingen ließ.

Den Sängerinnen, die zum letzten Mal im Haus der Generationen in ihrem Konzert-Outfit – schwarze Kleidung mit pinkfarbenem Schal – zusammengekommen waren, waren Wehmut und Traurigkeit anzumerken. Christel Malorny ließ nochmals die Entwicklung des traditionsreichen Chores Revue passieren. 1860 startete die Harmonie als reiner Männerchor. Erst 1969 traten die ersten Sängerinnen bei.

Gemeinsam feierten Frauen und Männer ihre Bühnenerfolge auf den Konzertreisen. Unter anderem traten sie in den Partnerstädten Rheinbergs, in Hohenstein-Ernstthal und Montreuil-sur-Mer, auf. Ein Schwerpunkt des Repertoires neben bekanntem Liedgut lag bei der klassischen Musik mit Messen und Oratorien wie „Die Schöpfung“, „The Armed Man“ oder „Missa Parvulorum Dei“.

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Unvergessen ist unter anderem der Chorauftritt 1986 für einen Fernsehbeitrag mit Schauspieler, Kabarettist und Comedian Diether Krebs geblieben. 2017 erlebte die Singgemeinschaft nochmals eine grundlegende Wende. Sie wurde ein reiner Frauenchor. Auch das Repertoire änderte sich. Melodien aus der Popmusik, aus beliebten Musicals und kultige Schlager gehörten jetzt zum Liedgut. Auch in anderen Auftrittsformen wie „Hörbar“ präsentierte sich der Chor.

Wie publikumswirksam die Neuausrichtung war, stellte das erste Konzert unter dem Motto „Beziehungsweisen – Musik und Dichtung“ vor drei Jahren unter Beweis. „Wir sind überall dort aufgetreten, wo man uns hören wollte“, so die Vorsitzende rückblickend. Stadtfeste, Musik am Ehrenmal oder in Seniorenheimen – die Sängerinnen ließen ihr Publikum den Alltag vergessen.

2019 erklang mit dem Jubiläum „50 Jahre Frauenchor in Harmonie“ ein Konzert, das sogar für musikalischen Nachwuchs sorgte. Neue Sängerinnen meldeten sich zu den Proben an. „Der Chor erlebte einen Aufschwung“, so Christel Malorny. Doch dann kam Corona mit all den Ängsten, Sorgen und Regeln, die weder ein Treffen, noch gemeinsame Proben, geschweige denn ein Konzert erlaubten.

Für Chorleiter Michael Wulf-Schnieders bot die Online-Probe die einzige Möglichkeit, musikalisch Kontakt zum Chor zu halten. „Eine Online-Probe ersetzt jedoch niemals eine Präsenzprobe“, lautete sein Fazit. „Schön daran war lediglich, dass keine Masken getragen werden mussten und ich keine Widerreden oder falsche Töne gehört habe“, sagte der Chorleiter mit einem Augenzwinkern.

Im Verlauf der Pandemie blieben die Sängerinnen den Proben fern. Die laufenden Kosten konnten aktuell und auch für die Zukunft nicht mehr gestemmt werden. Die Auflösung orientierte sich an der Realität und war unausweichlich. „Auch wenn wir wehmütig sind, schauen wir nach vorne. Was war das für eine schöne Zeit, und wie hat uns die Musik erfreut und bereichert“, so Christel Malorny.

Anders als geplant, konnte kein öffentliches Abschiedskonzert mit Melodien aus Schlager, Pop und Gospel stattfinden, so dass sich die Sängerinnen für einen internen Abschiedsabend entschieden hatten. Im Rahmen dieses Treffens wurde Else Machill für ihre langjährige Chorzugehörigkeit geehrt. Sie singt seit 70 Jahren und war 50 Jahre Mitglied des Frauenchores in der Harmonie.