Eine pensionierte Lehrerin aus Alpen legt zweiten Gedichtband vor

Hobby-Kunst in Alpen : Gedichte geben ein gutes Gefühl

Franziska Röhl (73) hat jetzt ihren zweiten Gedichtband herausgegeben. Darin verarbeitet sie alles, was das Leben so ausmacht.

„Täglich leben“ – so hat Franziska Röhl (73) ihren neuen Gedichtband, den sie jetzt herausgegeben hat, genannt. Sie nimmt damit den Leser poetisch mit auf den Weg in verschiedene Lebensbereiche, in den Alltag. Sie teilt Freud und Leid mit ihm, beschreibt die Jahreszeiten mit Naturbeobachtungen wie den überwältigenden Sonnenuntergang, das Windspiel in den Kopfweiden oder stürmische Herbstzeiten. Geschichten eben, auch mal mit politischem Akzent, persönliche Erlebnisse und Eindrücke, die das pralle Leben so facettenreich zu bieten hat.

„Das Leben selbst gibt mir die Ideen, die ich dann unterwegs mit Stift und Papier festhalte. Da packe ich zu, weil ich Lust habe, mich mit dem Stift auszudrücken“, sagt sie. Das können Wartephasen sein, die sie nutzt, und dabei aufschreibt, was sie gerade erlebt, sieht und sie umtreibt. „Die ersten Sachen, die ich notiere, sind nicht sofort die besten. Ich sammele“, sagt die ehemalige Lehrerin, die sich nach ihrer aktiven Berufsphase dem Schreiben von Gedichten und lyrischen Texten widmet.

Zu Hause in Bönning-Rill gibt sie die Notizen in den PC ein, sortiert – „und lasse dann alles gären. Die Texte sind bei mir gedanklich in Arbeit“, erklärt Röhl ihre Arbeitsweise. „Das kann schon mal länger dauern, bis ich sie in der Form für mich akzeptiere.“ Der Prozess des Schreibens von dem, was man erlebt, mache ihr „große Freude“, beschreibt sie ihre Arbeitsschritte.

Sie verarbeitet dabei nichts Autobiografisches, sondern vielmehr Gedanken und Erlebnisse, mit denen sich jeder mal auseinandersetzt. Sei es der Blick auf das Alter, die Vergänglichkeit oder die Lebensfülle oder die überwältigende Pracht der Natur. Sie gibt mit ihrer Sicht auf die Dinge einen der unzähligen möglichen Wege des Betrachtens vor.

„Was bleibt von mir, wenn ich mal nicht mehr bin? Das sind meine Gedanken und Positionen, die ich im Leben eingenommen habe und die bei denen in Erinnerung bleiben, denen ich mein Buch geschenkt habe“, ist sie überzeugt. „Ja, ich habe das Gefühl, ich habe etwas Bleibendes produziert. Es ist vollbracht. Und das Gefühl ist gut“, sagt Röhl.

Knapp 100 Seiten stark ist ihr zweiter Gedichtband in kleiner Auflage mit inhaltlichen Schwerpunkten wie „Mittag, Herbst und alles neu“. Dieser Band folgt den „Alltagsblüten“ von 2017. „Ich habe den Hang zur Serie“, sagt Röhl und lacht.

Für ihre Gedichte hat sie konsequent die Kleinschreibung gewählt. Jedes Wort ist gleichberechtigt, keines tut sich hervor. Der Leser erobert unvoreingenommen ihre Gedanken, arrangiert sich damit nach dem Motto „genauso ist es“. Er kann sich wiedererkennen, fühlt sich bestätigt oder angeregt, seine eigene Position zu finden.

Eingebunden ist Röhl in den den Zusammenschluss Schreibwerkstatt „Leichte Feder“ in Rheinberg, der seit 1996 ein Treffpunkt für Textschaffende ist. Dort trifft sie sich mit anderen schreibenden Frauen, tauscht sich mit ihnen aus. Gemeinsam werden auch Lesungen vorbereitet. Stolz schwingt bei Dichterin Röhl mit, wenn ihre Texte anderen gefallen, sie mal wieder ganz offenkundig den Kern der Dinge getroffen hat.