Rheinberg: Ein literarischer Rundgang durch die Gärten der Republik

Rheinberg: Ein literarischer Rundgang durch die Gärten der Republik

Es gibt mindestens zwei gute Gründe, gerne nach Budberg zu fahren. Beide gingen Samstagabend auf die Kappe des Vereins "Bürgerhaus Budberg". Zum einen hatte das Team um den Vorsitzenden Peter Houcken mit Judith Jakob aus Köln und dem Pianisten Joachim Jezewski aus Brühl zwei Künstler geholt, die das Publikum in Wort und Klavierspiel auf fesselnde Weise durch die Gärten der Republik und über englischen Rasen in die Obstbaumkolonie vor den Toren Berlins führte, 1893 von 18 ernsten Herren gegründet. Zum zweiten konnte man im Bürgerhaus wieder die köstlichen Lachs-Schnittchen kaufen, zubereitet von Alla Bonn, Roswitha Spitzley und Brigitte Schmengler. Die waren natürlich ruck, zuck weg; die beiden Künstler dagegen durften die Alte Feuerwache erst nach einer Zugabe verlassen.

"Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gen Osten und setzte Menschen hinein": Man hätte ihnen durchaus noch länger als zwei Stunden zuhören können bei ihrer musikalischen Lesung, die dort begann, wo alles begann: Im Garten Eden, dem Paradies, aus dem die Menschen vertrieben worden sind. Dass die Gärten in den Büchern oft ganz anders aussehen als die im wirklichen Leben, dem konnten die 40 Besucher kopfnickend zustimmen. "Stimmt", hätte man Judith Jakob auch immer wieder zurufen können, als sie von ihrem Besuch im Gartenbedarfsfachgeschäft erzählte, dem "Paradies der Samentütchen. Rosa und weiße Blumenbilder lächeln die willenslose Käuferin an, die für ein paar Cent den Garten Eden um sich herum wachsen sieht".

Und dann wird getan und gemacht und die Körnchen in unzählige Töpfchen gepackt und die Katze von der sonnigen Fensterbank vertrieben, weil da das meiste Licht ist, und später werden die Keimlinge in die Erde gesetzt und abends tut das Kreuz weh und dann kommt Blumenfeind Nummer eins, die Schnecke, ihm dicht auf den Fersen Feind Nummer zwei, die Raupe."Sinnend geh' ich durch den Garten": Judith Jakob zitierte zwischendurch Kurt Tucholsky, arbeitete Theodor Fontanes Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland in ihre Gartenlesung ein, die an manchen Stellen auch kabarettistische Züge hatte. Beispielsweise dort, wo sie den Gärtner als ein Wesen beschreibt, das selten mehr als einen Meter hoch ist. Oben begrenzt durch sein Hinterteil, die Beine gespreizt, den Oberkörper abgeknickt und kopfüber nach unten gehängt. "Hätte ich nicht Menschengröße, wäre ich nicht gar so breit, unter Blumen wollt' ich leben, jetzt und auch für alle Zeit": Gut dass Judith Jakob nicht unter Blumen lebt, sonst wären die Zuhörer nicht in den Genuss dieses unterhaltsamen Abends gekommen.

(jas)