Rheinberg: Ein irrwitziges Duo begeistert Publikum in der Stadthalle

Rheinberg : Ein irrwitziges Duo begeistert Publikum in der Stadthalle

Bereits beim Stimmen des Cellos gab es Unstimmigkeiten: Der Pariser Musiker Laurent Cirade (Cello) und der gebürtige Rumäne Paul Staïcu (Piano) stellten als Duett "Duel" im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr in der Stadthalle ihr Programm "Opus 2" vor. Mit erstaunlicher, bezugsreicher Slapstick-Routine bewiesen die ungleichen Charaktere herzerfrischend und umwerfend komisch, dass klassische Musik nicht immer seriös sein muss und schon gar nicht langweilig.

In einer auserlesenen Mischung aus Absurdität und Poesie, Sarkasmus und Einfachheit spielten sie Musik und Comedy auf Topniveau, von Bach bis Beatles, von Mozart bis Morricone. Grandios, wenn Cirade am frisch mit Talkum eingepuderten Bogen "schnüffelte". "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauss entartete zu einem Wettlauf um den Flügel mit Rezeptionsklingel als Taktgeber.

Und dass die beiden nicht gemeinsam zum Abschluss kamen, nahm ihnen keiner übel. Bereits bei den ersten Tönen merkte das Publikum, dass es sich bei dem Duo um erstklassige Virtuosen handelte. Cirade und Staïcu haben beide eine klassische Musikausbildung genossen und wurden für ihr Können mehrfach ausgezeichnet. Die Performance von "Duel" ist verrückt, unwiderstehlich und vor allem hochkarätig. Der Kampf mit dem Gartenklappstuhl, musikalisch parodiert mit dem Libretto aus "Carmen" von Georges Bizet (Auf in den Kampf Torero), war ebenso spektakulär wie Mozarts Menuett-Fragment, angereichert mit Westernmelodien und Bee-Gee-Mentalität.

Auf dem Boden liegend spielte Cirade sein Cello als Jazz-Gitarre, begleitet von Staïcu auf der Harmonika. Nach barocken Tönen dominierte schließlich die Westernatmosphäre am Lagerfeuer. Absurde Bilder mit dem "Cello am Spieß" untermalt mit "Spiel mir das Lied vom Tod" machte den suggerierten ItaloWestern perfekt.

Beim Song "Say you, say me", durch Lionel Richie in den 80ern bekannt, entwickelte sich eine anrührende Beziehungsgeschichte zwischen Cello und Besitzer, aus der das "Baby" Violine entstand. Klar, dass sich mit der in Windeln gewickelten Geige mit raffinierter Finesse einiges anstellen ließ ("Baby, Baby don't cry"). Besinnliche Minuten gab es mit klassischen Intermezzi, die als Erholung von der rasanten Unterhaltung dem Zuhörer ein musikalisches Hochgefühl vermittelten. Die Künstler verstanden es, ihr Publikum mit virtuos gespielter Musik und hinreißenden Jokes zu fesseln und erhielten begeisterten Beifall. Das Publikum entließ das Duett erst nach mehreren Zugaben.

(USP)
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