Alpen: Die Zeichen stehen auf Veränderung: Kasteel bleibt die Keimzelle

Alpen: Die Zeichen stehen auf Veränderung: Kasteel bleibt die Keimzelle

Die Burg war einst die Keimzelle für das Dorf Alpen. Nun erwacht hier neues Leben. Zwischen Schulzentrum und Motte soll mit Landeshilfe ein Klassenzimmer für Klimaschutz entstehen - ein ökologischer Lehrpfad, der auch als Spazierweg am Weiher reizvoll werden kann. Und mitten im Ort kündigt sich die Operation an, bei der Alpen ein neues Herz erhalten soll.

Im Rathaus nimmt ein Plan immer konkretere Formen an. Alpen soll noch schöner werden. Ja. Die preisgekrönte Idee, das "Wohnzimmer" chic zu möblieren, um hier durch einen grundlegenden Eingriff das Herz des Ortes künftig kräftiger schlagen zu lassen, soll im neuen Jahr endlich angepackt werden. Gleichzeitig ist - gleichsam aus dem Nichts - ein Projekt auf die Tagesordnung von Rat und Verwaltung gerückt, das unweit der "neuen Mitte" das Gesicht der Zentrale nachhaltig verändern könnte. Das Land will in den kommenden Jahren acht Millionen Euro überweisen, um das Schulzentrum energetisch zu sanieren und dem Klimaschutz Rechnung zu tragen.

Die Motte in Alpen ist aktuell wegen Einsturzgefahr geschlossen. Doch es gibt Pläne für den historischen Hügel am Ortsrand. Foto: Bernfried Paus

Teil des Paketes ist auch eine großangelegte Aufwertung des Umfeldes. Die Parkplätze sollen ihren Charakter als "Betonwüste" verlieren. Und es soll ein ökologischer Lehrpfad - ein Klimaschutzklassenzimmer - angelegt werden vom Schulzentrum aus am schönen Weiher vorbei bis zur Motte und an die Alpsche Ley.

Eigentlich, so räumte Klimaschutzmanager Luuk Masselink ehrlich ein, hatte er den Antrag, an den Fördertopf "Kommunaler Klimaschutz" des Wirtschaftsministers zu kommen, mit Stadtplaner Martin Lyhme nur "zum Üben" ausgefüllt. Wirkliche Chancen hatte sich das "Dream-Team", wie man das junge Duo im Rathaus inzwischen anerkennend nennt, nicht ausgerechnet. In nur drei Tagen hatten die beiden Youngster "mit heißer Nadel" eine Projektskizze gestrickt und sie auf den letzten Drücker eingereicht. Der Klimaschutzmanager hat den Entwurf höchstselbst übergeben - "zwei Minuten vor Ablauf der Frist". Für den Postweg war keine Zeit mehr. So kam's zur "Punktlandung". Vergessen war der Schock nach dem Gutachter-Vortrag des Ökozentrums NRW über eine energetische Sanierung des Schulzentrums. Doch dann hörte man im Rathaus lange nichts. Umso ungläubiger die Reaktion, als die Zusage kam, dass das unmöglich Scheinendende Wirklichkeit werden kann.

Bis Mai muss das Duo Masselink/Lyhme seine Ideen ausarbeiten. Dann fällt die endgültige Entscheidung, ob die acht Millionen Euro tatsächlich fließen. Zum Geldstrom müsste die Gemeinde noch zwei Millionen beisteuern - verteilt auf drei Jahre. Das sei zwar vom Aufwand her und finanziell gewiss "ein Hammer", so Bürgermeister Thomas Ahls. Aber die Investition in die Zukunft werde sich in mehrfacher Hinsicht auszahlen. Zumal eine spürbare Einsparung bei den Kosten für Strom und Heizung im Schulzentrum zu erwarten sei. Ahls spricht bei Großinvestition zur CO2-Einsparung von einem "haushaltsneutralen" Kraftakt.

Er freue sich vor allem, dass das in die Jahre gekommene Pädagogische Zentrum, Schauplatz vieler öffentlicher Veranstaltungen, deutlich aufgewertet werden könne - zum Beispiel mit einer neuen Klimaanlage.

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Zum Plan gehören neben einer Photovoltaikanlage auf dem Schuldach, regendurchlässigem Pflaster auf den Parkplätzen, Ladestationen für E-Autos und schattenspendenden Bäumen auch ein "grüner Lehrpfad" als Klassenzimmer unter freiem Himmel. Hier soll Klimaschutz für Sekundarschüler und Bürger erlebbar werden. Um Weiher und Motte könnte ein attraktiver Park am Rande des Ortskerns entstehen. "Hier liegt ein riesiges Potenzial", so Masselink.

So könnten Stadtumbau und Klimaschutz ineinandergreifen. Die Motte ist ein Ort regionaler Geschichte: Als einst imposante Burganlage auf einem Hügel - von Alpenern "Kasteel" genannt - gilt sie als manifeste Keimzelle des Ortes.

Ende des Zweiten Weltkriegs hatten bergbauerfahrene Alpener einen 40 Meter langen, 1,5 Meter breiten und zwei Meter hohen Stollen durch den lehmigen Hügel gegraben, auf dem einst die Burg thronte. Der diente als Schutz der Bevölkerung vor der herannahenden Front. Bis zu 140 Menschen suchten hier Schutz vor den Kampfhandlungen. Sie wurden von den Engländern am 10. März 1945 unversehrt aus ihrem Bunker befreit.

Aktuell macht der Hügel Probleme (wir berichteten). Das Holz des Stollens ist mehr als 70 Jahre nach Kriegsende marode geworden. Es droht Einsturzgefahr. Gerade läuft eine archäologische Untersuchung. Die soll nicht nur das Gefahrenpotenzial ermitteln, sondern auch den historischen Befund des Bodendenkmals sichern.

Klar ist, so teilte die Verwaltung mit, dass in Kürze schon 25 Bäume fallen müssen. Sie sind krank und nicht mehr standsicher. Aber es wird Ersatz gepflanzt. Und es reift der Plan, die Grundmauern der Burg wieder ans Tageslicht zu fördern. Die waren zur 900-Jahr-Feier Alpens vor 43 Jahren freigelegt, aber wieder mit Erdreich abgedeckt worden, so dass darauf Bäume wuchsen. Mit dem Klimaschutzpaket könnte die Motte neu belebt werden - wo man das, was Alpen ausmacht, in vollen Zügen genießen kann - auf einer grünen Insel mitten im Ort. Schöne Aussichten.

(bp)