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Rheinberg: Die Stadt des fairen Handels

Rheinberg : Die Stadt des fairen Handels

Auch die Stadt Rheinberg hat sich im Kulturhauptstadtjahr 2010 dazu verpflichtet, künftig bei der Beschaffung auf Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit zu verzichten. Nun folgt der zweite Schritt.

"Fairtrade" — das steht für fairen Handel. Fair zu handeln — das können sich Menschen zum Ziel setzen, genauso gut aber auch ganze Städte. So wie Rheinberg, wo nun der Stadtrat beschlossen hat, den Titel "Fairtrade Stadt" anzustreben. Damit spinnen die Rheinberger einen Gedanken weiter, der im Europäischen Kulturhauptstadtjahr 2010 geboren wurde: Mit der Unterschrift unter die "Magna Charta Ruhr.2010" haben sich damals alle beteiligten Kommunen und Landkreise der Kulturhauptstadt verpflichtet, künftig bei ihrer Beschaffung "auf Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit zu verzichten".

"Faire Metropole Ruhr"

Nun folgt der zweite Schritt: Bis 2012 sollen alle 53 Kommunen und vier Kreise der Region "Fairtrade Town" bzw. "Fairtrade Kreis" werden — was die Organisatoren als einmalige Chance verstehen, eine Region mit über fünf Millionen Einwohnern zu einer "Fairen Metropole Ruhr" zu machen.

Das soll freilich mehr sein als ein frommes Bekenntnis auf einem Stück Papier. Und so wurden fünf Kriterien ausgearbeitet, die eine "Fairtrade Stadt" erfüllen muss. Beispielsweise darf in Ausschüssen und im Rat sowie im Bürgermeisterbüro nur noch Fairtrade-Kaffee und ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet werden — was in Rheinberg bereits beschlossen ist. Mit einem klaren Bild vor Augen: Das Stückchen Schokolade, eine gute Tasse Kaffee, der Becher Tee am Nachmittag, ein Strauß frischer Blumen - Genussmittel versüßen uns den Alltag und kosten nicht die Welt. Beim Gedanken an die Produktionsbedingungen kann sich jedoch schnell ein bitterer Beigeschmack einschleichen: Kinderarbeit auf Kakaoplantagen, Rohstoffpreise, die nur Teile der Produktionskosten der Kleinbauern decken, Plantagenarbeiterinnen, die ohne Schutzkleidung Pestiziden ausgesetzt sind. Ungerechte Handelsstrukturen verstärken den Kreislauf der Armut für viele Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Mit dem Kauf fair gehandelter Produkte kann jeder Einzelne einen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbauernfamilien und PlantagenarbeiterInnen in Entwicklungsländern leisten.

Mindestens zwei Produkte

Zurück zu den Kriterien für den Titel "Fairtrade Stadt": In lokalen Einzelhandelsgeschäften und in der Gastronomie müssen Partner gefunden werden, die mindestens zwei gesiegelte Produkte aus Fairem Handel anbieten bzw. ausschenken; in Rheinberg müssten mindestens sechs Geschäfte und vier Gastronomiebetriebe gefunden werden.

Kriterium Nummer vier sieht vor, dass in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen Fair Trade-Produkte verwendet werden und dass dort kontinuierlich Bildungsaktivitäten zum Thema "Fair Trade" durchgeführt werden.

Der Titel "Fair Trade Stadt" wird überigens zunächst auf zwei Jahre vergeben. Danach wird geprü+ft, ob die definierten Kriteren weiterhijn erfüllt sind.

(RP)