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Die Rettung des Alpener Bodendenkmals Motte muss hohe Hürden nehmen

Stadtgeschichte in Alpen : Historischer Hügel als Held im Kopfkino

Rettungsversuch für das Bodendenkmal Motte: Förderverein geht’s begeistert an, Fachbehörde verlangt Kompetenz.

Es gibt Filme, die kann man immer wieder sehen. Casablanca mit Humphrey Bogart gehört dazu und alle Jahre wieder vor Weihnachten der „Der kleine Lord“ mit Alec Guinness. Der Streifen, an dem sich Christian Lommen in diesen Tagen nicht satt sehen kann, hat nicht das Zeug zum Klassiker. Alpenern mit großem Gefühl für Heimat aber, wie der Vorsitzende des Fördervereins zur Rettung der Motte, geht bei dem Drei-Minuten-Filmchen, das ein Niederländer bei Youtube hochgeladen hat, das Herz auf. „Überwältigend, faszinierend“, beschrieb der Elektromeister seine Empfindung bei Ansicht der Bilder aus der Vogelperspektive auf den geschichtsträchtigen Erdhügel am Ortsrand des Dorfes, der so friedlich daliegt, aber einzustürzen droht. Den Film zeigte Lommen im Bauausschuss, ehe er seinen Rettungsplan für das doppelte Bodendenkmal vorstellte und die Politik um Unterstützung bat. Mit Erfolg.

Der Filmemacher aus dem Nachbarland hatte eine Drohne aufsteigen lassen. Die liefert in der Tat eindrucksvolle Bilder – von klassischer Musik unterlegt – davon, welches oberflächliche Potenzial allein in dem weiten Areal um die Erhebung da schlummert. Dabei ist der eigentliche Schatz von oben betrachtet gar nicht sichtbar. Er liegt im Innern des Erdreichs verborgen. Für Lommen vor allem „eine Chance, hier etwas Einmaliges für Alpen zu schaffen“.

Der Förderverein will den Stollen, den Bergleute gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in den mittelalterlichen Burghügel der Herren von Alpen getrieben haben, wieder zugänglich machen. Der Schacht, von dem niemand weiß, wie er genau verläuft, soll mit einem Stahlverzug ausgebaut und mit Stützen gesichert werden, damit hautnah und völlig gefahrlos erlebbar wird, wie sich Frauen und Kinder damals gefühlt haben müssen, als sie hier Schutz gesucht haben vor den Bomben alliierter Flieger.

Die Förderer sind zuversichtlich. Die Landesregierung, so Franz-Josef Spölmink, habe einen Topf „Heimatzeugnis“ mit 22 Millionen Euro üppig gefüllt. Da wolle man mit einem überzeugenden Konzept ran. Im Alpener Haushalt stehen für die Sanierung schon 180.000 Euro auf Abruf. Doch mit Begeisterung und Geld allein wird das Projekt nicht realisierbar sein.

Martin Vollmer-König vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege war aus Bonn angereist – eine Wertschätzung für den bürgerschaftlichen Elan. Der sei „Treibstoff“ für ein so ehrgeiziges Unterfangen. Der erfahrene Denkmalschützer mischte der Begeisterung ungeschminkten Realitätssinn bei und trat pointiert auf die Bremse. Auf den coolen Auftritt des Fachmanns reagierte Bürgermeister Thomas Ahls erstaunlich dünnhäutig.

Dabei hatte der Denkmalschützer vorausgeschickt, dass er „umgedacht“ habe. Erst sei er wegen latenter Einsturzgefahr dafür gewesen, den Stollen zügig zu verfüllen. Denn der „archäologische Schatz“ der Motte seien die Mauerreste der Burg. Die gelte es zu sichern. Der Plan der Förderer, den Bunker begehbar zu machen, bekäme amtlichen Segen, „wenn’s keine Schäden gibt“ bei der Rekonstruktion „dieses phantastischen Bodendenkmals“. Die aber sei auf den Stollen begrenzt. Absolut. Der Denkmalschutz lasse keinen Spielraum.

Um ins Innere zu gelangen, sei „Umsicht, Kompetenz und ein tragfähiges Konzept für den hochkarätigen Hügel“ unverzichtbar. Es brauche Expertise. „Ich lasse meinen Herd auch nicht vom Tischler anschließen“, so Volmer-König. Dann seien „phänomenale Lösungen“ möglich. Auch der Denkmalschützer beschrieb digitale Möglichkeiten für ganz neue, reizvolle Erlebnisse auf der Zeitreise im Stollen. Es müsse zudem sichergestellt sein, „dass der großen Begeisterung nicht eines Tages die Luft ausgeht“.

Die Förderer signalisieren einen langen Atem und können’s kaum erwarten, den hässlichen Bauzaun um die Motte abbauen zu können. Beim Gedanken gerät Christian Lommen in Schwärmen: „Bergleute vom Knappenverein marschieren in voller Montour durchs Dorf, ziehen mit erleuchteter Grubenlampe in den Stollen und singen das Steigerlied.“ Zukunftsmusik zwar, aber ein schöner Film im Kopfkino.