Rheinberg: Die Orsoyer Orgel - ein echtes Kleinod

Rheinberg: Die Orsoyer Orgel - ein echtes Kleinod

Der Organist Wieland Meinhold präsentnierte in der evangelischen Kirche Orsoy virtuose Barockmusik aus Italien - und bot den Zuhörern zuvor einen unterhaltsamen allgemeinen Einblick in den Aufbau einer Barock-Orgel.

Vor der Tür warteten die Interessierten schon eine Stunde vor dem eigentlichen Konzert auf den Einlass. "Ich finde die Orgel sehr schön, auch die Musik, die hier geboten wird", sagte der Budberger Georg Durben, der auf das Angebot in der Kirche sehr gespannt war.

Pfarrer Uwe Klein öffnete die Pforten - und gemeinsam mit Durben und dem thüringischen Universitätsorganisten Wienland Meinhold ging es die Wendeltreppe hinauf zu der Kirchenorgel.

Von der wird Wieland Meinhold nach dem Konzert gerührt sagen: "Ein echtes Kleinod - besonders habe ich mich in die Holzflöte verliebt, die würde ich am liebsten mitnehmen." Und stolz war er auch darauf, dass er an diesem Tag in Anwesenheit des Orgelbauers selbst das Instrument hatte bedienen und zum Klingen bringen dürfen.

Was den aus einem Guss plaudernden gebürtigen Hallenser nicht davon abhielt, per Mikrofon auch den nichtmobilen Gästen in der Kirche anhand von ausgewählten Klangbeispielen wie "Hommage a Sebastien" oder weiteren Improvisationen die Grundidee einer barocken Orgel einmal näher zu bringen.

"Die Orgel ist wie eine Königin: Sie ist groß, hat ein schönes Gewand und wenn ich alle Register ziehe, wird es mächtig laut in der Kirche. Sie hat eine Krone, die in der Sonne mächtig leuchtet", führte Wieland Meinhold dann in einer unterhaltsamen halben Stunde in die Welt der "Silberstengel" und "Röhren" ein.

Er ließ einen Gast an der Wand den Knopf ziehen. "Da können sie hören, wie der Motor angeht mit dem Leichtlaufgebläse." Das "Einatmen" höre man noch besser in der Magdeburger Börde oder der niedersächsischen Furtwängler-Orgel in Verden. "Die hat einen alten Motor. Die muss man in verschiedenen Phasen anlaufen lassen."

Das Gebläse verschaffe dem Blasebalg, der permanent Luft ins Orgelinnere puste, einen dicken "Bauch" - die "Lunge" des Instruments. "Die Orgel ist ein großes "Blas"-Orchester." Dazu machte er die Bedeutung der diversen Register als klangliches "Rückgrat" der Orgel deutlich - wie das "Prinzipal acht" für die "weibliche" Ergänzung, der Oktave vier.

Ziehe man beide zusammen, habe man den klassichen Gemeindeklang. Darüber hinaus gebe es Klangkronen mit einer Mixtur - kleine Obertonpfeifchen viermal hintereinander, die "so einen Glitzerklang ergeben".

Er ließ die diversen Flötentöne erklingen - eine Spielflöte, Piccolo und Holzflöte vier Fuß, die dazu dient, jemanden zu begleiten. "Die Kraft der Orgel ist das, was die Zuhörer erfasst", erläuterte er seinen Zugang. "Für mich ist das heute anders, da fange ich mit den lieblichen leisen Tönen ab, die mir mehr von der Delikatesse der Orgel und der Fertigkeit des Orgelbauers verrät."

Er demonstrierte das "Bankett" und die Fußarbeit mit dem Zusammenspiel der Töne. "Als Organist arbeite ich wie ein Elsässer Bäcker - mit den besten Zutaten." Den Zuhörern gefiel der Vortrag: "Es war interessant. Ich bin zu jedem Konzert hier", meinte die 95-jährige Ilse-Marie Fischer, Bewohnerin des evangelischen Altenheims. "Ich war früher selbst Organistin."

Wie Meinhold konzertant klang, davon konnten sich die Orsoyer Zuhörer anschließend bei seinem Ausflug in die barocke italienische Orgelmusik überzeugen - mit Kompositionen von Frescobaldi, Vivaldi, Zipoli oder Torelli. Absolut brillant, monumental und mit der ganzen Fülle des Klanges präsentierte er zum Abschluss des einstündigen Konzerts das "Adagio g-Moll" von Tommasso Albinoni und sorgte für Begeisterung im weiten Rund der Kirche.

(aflo)