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Rheinberg: Die Nachtigall singt weiter

Rheinberg : Die Nachtigall singt weiter

Hobby-Ornithologe und Naturfotografin ärgern sich über Baum- und Heckenschnitt trotz Verbot. DLB sieht kein Problem.

Jedesmal, wenn Johannes Schwerdt am Hammweg in Budberg unterwegs ist, spitzt er ganz aufmerksam seine geschulten Ohren. "Dort brüten neben anderen Singvögeln auch Nachtigallen", freut sich der Hobby-Ornithologe. Drei Paare glaubt er aus dem Chorgesang ausgemacht zu haben. Doch momentan ist die Freude darüber stark getrübt. Auf dem Hammweg sind noch Ende April Baum- und Gehölzschnittmaßnahmen ausgeführt worden. Dabei verbietet das Bundesnaturschutzgesetz vom 1. März an Fällungen und Schnitte bei der Baum- und Gehölzpflege, um den Tierschutz zu gewährleisten. "In Rheinberg scheint man das aber einfach zu missachten", ärgert sich der 80-jährige Naturfreund.

 Die Nachtigall gilt als Königin unter den Singvögeln. Am Hammweg in Budberg hat sie sich angesiedelt. Naturfreunde berichten, dass sie dort gestört wurde.
Die Nachtigall gilt als Königin unter den Singvögeln. Am Hammweg in Budberg hat sie sich angesiedelt. Naturfreunde berichten, dass sie dort gestört wurde. Foto: Garbe

Sträucher und Hecken seien zurückgeschnitten worden, bei einem Baum sei man gleich radikaler zur Sache gegangen - hier sei lediglich der Stamm stehen geblieben. Dabei benötige gerade die Nachtigall dieses spezielle, dreischichtige Biotop, das am Hammweg vorzufinden ist: ein feuchter Untergrund mit Kräutern und Stauden, darüber wachsen Hecken und Sträucher, die wiederum von Baumkronen "überdacht" sind. Einzig gute Nachricht: Die Nachtigallen haben sich durch den Eingriff nicht vertreiben lassen.

Doch warum der städtische Dienstleistungsbetrieb (DLB) ausgerechnet zur Hauptbrutzeit mit Hubsteiger und Sägen Äste und Laub schneidet, bleibt Schwerdt und auch Karin Garbe, Hobby-Naturfotografin, ein Rätsel. "Gefahr in Verzug" als Argument lassen beide nicht gelten. "Dann hätte man konsequenterweise den Hammweg für den Verkehr sperren müssen", so Garbe.

DLB-Leiter Holger Beck bestätigt auf Anfrage, dass noch nach dem Stichtag 1. März "Totholz" aus Bäumen und Sträuchern am Hammweg geschnitten worden sei, um potenzielle Unfallgefahren für den Straßenbereich auszuräumen. Er betont aber, dass "alle Maßnahmen unter Beachtung des Natur- und Artenschutz" durchgeführt worden seien. "Alle Bäume werden im Vorfeld von einem Experten auf ihren Zustand und die dann zu treffenden Maßnahmen begutachtet", erläutert Beck das Vorgehen.

Daraufhin werde eine Prioritätenliste erstellt, welche Bäume beispielsweise wegen akuter Sturmschäden vorrangig behandelt werden müssen. Und die Schäden des jüngsten heftigen Sturmes "Friederike" seien bis heute noch nicht komplett beseitigt.

Zudem seien die Mitarbeiter des DLB gut geschult und in Sachen Artenschutz sensibilisiert, so Holger Beck weiter. Bei den Arbeiten werde nicht nur nach Nestern, sondern auch nach Höhlungen geschaut, die mit einer speziellen Kamera untersucht würden. Der gefällte Baum, von dem lediglich ein Teil des Stammes übrig geblieben ist, gehe allerdings nicht auf die Kappe des DLB. "Dabei handelt es sich um eine Kopfweide. Für die sind nicht wir zuständig", sagte Beck.

(RP)