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Die katholische Pfarrgemeinde St. Ulrich Alpen intensiviert Sozialberatung

Kirchen in Alpen : Lotsendienst in persönlichen Notlagen

Die katholische Kirchengemeinde St. Ulrich stellt Frank Koppers als neuen Leiter der Sozialberatung vor. Das Angebot sei in der Pandemie besonders wichtig, findet Pastor Dietmar Heshe. Die wöchentliche Sprechstunde ist verlegt worden.

Mit fortschreitender Dauer der Corona-Pandemie geraten nicht nur Geschäftsleute, Solo-Selbstständige oder bestimmte Betriebe in arge Nöte. Die Folgen von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, Kontaktverboten und Isolierung betreffen auch immer mehr Familien und Einzelpersonen – auch im ländlichen Raum. Eine Anlaufstelle für Menschen in Problemlagen bietet seit vielen Jahren die Alpener Kirchengemeinde St. Ulrich mit ihrer Sozialberatung im Familienzentrum gegenüber dem Pfarrheim an. Hier kommt es jetzt zu einigen Veränderungen – nicht nur personell.

Zum einen übernimmt Frank Koppers vom Caritasverband Moers-Xanten die Aufgabe des in den Ruhestand verabschiedeten Josef Franke. Zum anderen haben sich die Öffnungszeiten geändert. „Bislang haben wir die Sozialberatungen immer morgens angeboten, wenn auch die Kinder in den Kindergarten gebracht wurden. Das war sehr unglücklich“, erklärt Verbundleiterin Karin Ricking. „Deswegen haben wir den Termin auf mittwochs zwischen 11.30 und 12.30 Uhr gelegt. Dafür steht an diesen Tagen ein Ständer mit einer separaten Klingel vor dem Kita-Eingang.“

Pastor Dietmar Heshe ist froh darüber, dass diese Anlaufstelle weiter bestehen bleibt: „Gerade durch die Pandemie tritt soziale Not in den Vordergrund. Ein tragendes Netzwerk aus Kirchengemeinde, Caritas, der Tafel oder der Schuldnerberatung ist daher jetzt ganz wichtig.“

Ob Existenzsorgen durch drohenden Arbeitsplatzverlust, die Kündigung der Wohnung oder der abgestellte Strom, weil die Rechnung nicht mehr bezahlt werden konnte: Die Gründe für Notlagen sind vielschichtig. „Wichtig ist es dann, eine Grundlage zu schaffen, Schritte aus der Krise und deren Reihenfolge zu überdenken. Ich versuche dann zu vermitteln, helfe den Menschen beim Schriftverkehr und bei Behördengängen oder leite sie an die entsprechenden Fachstellen weiter“, erklärt Koppers.

Wer das Gespräch mit ihm sucht, benötigt dafür keinen Termin und muss auch nicht zwingend ins Familienzentrum kommen. „Eine telefonische Beratung ist ebenfalls möglich, und wenn es gewünscht wird, komme ich auch zu den Menschen nach Hause“, sagt Koppers. Er registriert, dass familiäre Probleme zunehmen: „Den ganzen Tag mit mehreren Menschen in einer engen Wohnung zu verbringen, sorgt für psychische Überforderung“, sagt er.

Eine ähnliche Beobachtung hat auch Viktoria Karmann-Kraemer, Fachdienstleiterin Gesundheit und Soziales beim Caritasverband, gemacht: „Die ersten Wochen mit dem Lockdown haben die meisten noch geschafft. Doch seit Mitte Mai geraten immer mehr Menschen in eine seelische Notlage mit Ängsten und Depressionen.“

Eine Situation, die nach der Erfahrung von Frank Koppers oft eine direkte Folge wirtschaftlicher Probleme ist: „Letztendlich geht es um die Gesamtsituation, die für manche unübersichtlich geworden ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass von vielen Ratsuchenden nach dem Gespräch eine Last abfällt.“

Pastor Dietmar Heshe möchte mit dem Angebot eine Perspektive anbieten, den Menschen zeigen, dass es immer einen Weg gibt: „Soziale Not spielt sich oft hinter verschlossenen Türen ab. Es ist ganz wichtig, dass sich die Menschen öffnen und Unterstützung in Anspruch nehmen.“

Frank Koppers fungiert dabei übrigens nicht nur als fachlicher Berater in scheinbar ausweglosen Situationen. „Manche Menschen kommen auch ohne ein konkretes Anliegen zu mir. Sie wollen einfach nur in einem persönlichen Gespräch mal ihre Sorgen loswerden.“