Alpen: Die Hürden des Alltags

Alpen : Die Hürden des Alltags

Der Arbeitskreis Barrierefreiheit sieht in Alpen noch reichlich Handlungsbedarf, bis Menschen mit Behinderungen ohne Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Karl-Heinz Kohl ist seit 40 Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. Der 65-Jährige arbeitete bei Solvay in Rheinberg im Bereich der Arbeitssicherheit. Das ist auch eine gute Voraussetzung um beurteilen zu können, wie gut die barrierefreie Umgestaltung der eigenen Umgebung gelungen ist. Und da ist noch allerhand zu tun, bilanzierte Kohl gestern Nachmittag.

Seit Jahren engagiert er sich im Arbeitskreis Barrierefreiheit, der sich 2009 in der Gemeinde Alpen formierte. Mit anderen Betroffenen erstellte er in einer Begehung eine sachkundige Bestandsaufnahme. Durch Anpassungsmöglichkeiten möchte er allen Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit bieten, am gesellschaftlichen Leben so teilnehmen zu können wie nicht behinderte Mitbürger.

Das neue Rathaus...

In der Gemeinde Alpen ist nach seiner Meinung in den letzten Jahren vieles nicht optimal umgesetzt worden, "jetzt ist die Grenze meines Unmut erreicht", sagte Karl-Heinz Kohl und nannte in einer Pressekonferenz des SPD-Ortsverbandes Missstände beim Namen: "In den letzten vier Jahren wurde in Alpen ein Rathaus gebaut – aber zahlreiche Verbesserungen im Bereich Barrierefreiheit wurden noch nicht durchgeführt." Nach wie vor verfolge er zusammen mit den Genossen das Ziel ein gemeinsames soziales Miteinander in Alpen. Kohl: "In Ausschüssen, Ratssitzungen und bei der Vorstellung vom Sportstättenkonzept habe ich auf die Anliegen der Behinderten hingewiesen."

Zu steile Rampe

"Schwimmsport ist für Behinderte nicht möglich", führte Kohl weiter aus. Denn nach dem Versuch, einen Höhenausgleich auf der Rampe zu schaffen, ist nach seiner Erfahrung die Gefahr noch größer, aus dem Rollstuhl zu kippen: "Auf der Plattform sind riskante Wendemanöver erforderlich, um den Eingang zu öffnen." Kippgefahr bestehe weiterhin durch eine Kante, wenn man die Burgstraße an der Motte überqueren möchte. Mit der Beschaffenheit der Wege auf dem Friedhof zeigte sich der Rollstuhlfahrer unzufrieden. "An beiden Ausgängen am Dahlacker befinden sich Barrieren und erschwerend kommt hinzu, dass die Gehwege mit feinem Split verfüllt wurden. Das macht das Fahren mit Mobilitätshilfen unmöglich."

"Noch brisanter sei die Verkehrssituation an der Ampelanlage", dort gebe es "gefährliche Klippen". An der Grundschule wurde inzwischen eine Rampe angebracht, diese wurde nach Recherchen von Karl-Heinz Kohl auch asphaltiert, dennoch hat sie zu viel Gefälle. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten zeigte sich Karl-Heinz Kohl zufrieden bei den Ausführungen der Behindertentoilette am Adenauerplatz, dennoch müssen Restarbeiten erledigt werden. "Die Außenbeleuchtung fehlt noch und der Türschließer für die Herrentoilette", so Kohl.

Für ihn wäre es auch wichtig, dass Schilder im Ortskern und auf dem Friedhof auf die Sanitäranlagen hinweisen würden. Ein weiterer Wunsch bleibt vorerst auch unerfüllt: "Als Rollstuhlfahrer möchte ich mit dem Alpener Bürgerbus mitfahren."

(wawi)