Die Burning Jerrycans und die Roughness Blues Band begeisterten im Schwarzen Adler.

Rheinberg : Wie ein Treffen der Blues-Klasse von 1979

Die Burning Jerrycans und die Roughness Blues Band, alte Haudegen der Niederrhein-Szene, begeisterten im Adler.

Der Abend im Schwarzen Adler war wie ein Klasssentreffen. Ein munteres Wiedersehen der Blues-Klasse, sagen wir von 1979. Die meisten Besucher der Veranstaltung dürften damals am Ende ihrer Schulzeit, in der Ausbildung oder mitten im Studium gesteckt haben. Und die meisten Akteure auf der Bühne waren schon dann musikalisch aktiv, haben auch vor 40 Jahren die Flagge des Blues, des Rhythm’n’Blues, des Pub-Rock und des Rock’n’Roll hochgehalten. Wenn auch damals noch in anderen Bands. So passte alles am Wochenende. Der Saal war voll, Zuhörer und Bands hatten gleichermaßen Spaß.

Zunächst ließen die Burning Jerrycans ihre Songs von der Leine. Alte Haudegen der lokalen Szene, zu Hause zwischen Kamp-Lintfort und Rheinberg und nicht kaputtzukriegen. Auch nach 26 Jahren versprühen Josef Gormanns (Gesang, Gitarre), Fritz Ulber (Bass, Gesang) und Bernie Kubik (Drums, Gesang) noch die gleiche Freude wie früher. Und es finden sich Songs in ihrem Repertoire, die auf keiner Setliste fehlen und sofort die Richtung abstecken. „Milk & Alcohol“ von der britischen Band Dr. Feelgood ist so ein Fall. So funktionieren viele Songs der „Brennenden Kanister“: drei Akkorde, eine schlichte Hookline, drei Strophen Text und ein kerniges Gitarrensolo.

Das Trio covert Klassiker wie Bob Dylans „Like a rolling stone“ oder – sehr schön – „When I come home“ von der Spencer Davies Group. Wer schon in den Siebzigern die Gitarre malträtierte, kam nicht an Rory Gallagher vorbei. Kein Wunder also, dass auch dem längst verstorbenen irischen Flitzefinger mit der abgewetzten Stratocaster und den karierten Hemden gehuldigt wurde: „Won’t you follow me, where i’m bound...“ Da wurden Erinnerungen an Rockpalastnächte und alte Dual-Plattenspieler wach.

Zwischendurch holten die Burning Jerrycans ihren Kumpel Jürgen „Zappo“ Zabel auf die Bühne. Der Südstaatenrocker schnappte sich eine Akustikgitarre und schrammelte ein paar Lieder mit, was dem Sound gut tat. Besonders erwähnenswert war „Ten degrees“, eine Eigenkomposition der Herren Gormanns, Ulber und Kubik.

Nach kurzer Umbaupause schlug dann die Stunde der Roughness Blues Band. Das Rheinberger Blues-Original Manni Hübner (Gesang, Gitarre) sowie Heinz Maars (Gitarre), Wolfgang Schmidt (Bass), Lorry (Drums) und Volker Trost (Keyboards, Piano) lieben und spielen den traditionellen Chicago-Blues. Wer B. B. King, Buddy Guy oder Muddy Waters mag, der war bei ihnen an der richtigen Adresse. Ihre Lokomotive setzte sich vom ersten Takt an stampfend in Bewegung. Manni Hübner, der lange Schlaks mit den weißen Haaren und der Schlägermütze, „verkaufte“ die Songs auf einzigartige Weise. Cool!

Beide Bands heimsten bei diesem „Klassentreffen“ vor vielen alten Freunden und Bekannten jede Menge Applaus ein. Hoffentlich hängen sie ihre Gitarren nicht lange an den Nagel.